kalaydo.de Anzeigen
„Men in Black 3“-Regisseur
Auf Zeitreise: In „MIB 3“ reist Agent J (Will Smith, l.) ins Jahr 1969, natürlich mit Blitzdings. Tommy Lee Jones spielt Agent K.

Hessischer Kulturpreis: Islam-Vertreter vergeblich gesucht

Für ihre Verdienste um die interreligiöse Kooperation werden ein katholischer Bischof, ein evangelischer Kirchenpräsident und der Vizepräsident des Zentralrates der Juden geehrt. Einen Vertreter des Islam findet die Kulturpreis-Jury nicht.

Auch nciht zweite Wahl. Der iranischstämmige Schriftsteller und Orientalisten Navid Kermani bekommt nicht den Hessischen Kulturpreis.
Auch nciht zweite Wahl. Der iranischstämmige Schriftsteller und Orientalisten Navid Kermani bekommt nicht den Hessischen Kulturpreis.
Foto: ddp

Die Verleihung des Hessischen Kulturpreises 2009 an Vertreter verschiedener Religionen findet ohne Preisträger aus dem Islam statt. Nach heftigem Streit unter den Preisträgern habe das Kuratorium des Preises seine Entscheidung vom vergangenen Dezember geändert, teilte die Landesregierung am Mittwoch in Wiesbaden mit.

Für ihre Verdienste um die interreligiöse Kooperation sollten am 5. Juli nur der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, der frühere evangelische Kirchenpräsident von Hessen und Nassau, Peter Steinacker, und der Vizepräsident des Zentralrates der Juden, Salomon Korn, geehrt werden. Der Preis ist mit 45.000 Euro dotiert.

Ursprünglich hatte das Kuratorium unter Vorsitz von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) auch den in der Türkei geborenen Wissenschaftler Fuat Sezgin als Vertreter des Islams auszeichnen wollen. "Zur Überraschung der Jury lehnte Sezgin nach einigen Wochen die Auszeichnung ab", hieß es in der Mitteilung. Sezgin erklärte, sein Mitpreisträger Korn habe die Auseinandersetzung zwischen Israel und den Palästinensern im Gaza-Streifen so einseitig kommentiert, "dass es für seine politische Überzeugung und sein kulturelles Verständnis nicht hinnehmbar sei, den Preis mit ihm anzunehmen".

Negative Äußerungen über das Symbol des Kreuzes

Darauf suchte die Jury nach einem anderem Preisträger aus der muslimischen Gemeinschaft und schlug den iranischstämmigen Schriftsteller und Orientalisten Navid Kermani vor. Kermani, geboren 1967, lebt in Köln und ist Mitglied der Deutschen Islamkonferenz. Er sei zunächst bei den anderen Preisträgern auf Zustimmung gestoßen.

Allerdings veröffentlichte Kermani zu Ostern einen Essay in der Neuen Züricher Zeitung, in dem er sich negativ über das christliche Symbol des Kreuzes äußerte: "Für mich formuliere ich die Ablehnung der Kreuzestheologie drastischer: Gotteslästerung und Idolatrie (Götzendienst, Anmerkung dpa)." Daraufhin hätten Kardinal Lehmann und Kirchenpräsident Steinacker erklärt, den Preis nicht gemeinsam mit Kermani annehmen zu wollen.

Das Jury habe versucht, den Beitrag der drei Religionskulturen zur Gesellschaft in Deutschland gemeinsam zu ehren. "Nach den geschilderten Erfahrungen betrachtet das Kuratorium mit großem Bedauern dieses Projekt als vorläufig gescheitert." Es wäre aber unvertretbar gewesen, die bereits ausgesprochene Ehrung für Lehmann, Steinacker, Korn und deren Lebenswerk zurückzunehmen. Man habe weiter beschlossen, den Vorgang öffentlich zu machen, "um damit Debatten anzustoßen, die aus den Erfahrungen lernen lassen".

Der Hessische Kulturpreis hätte ursprünglich am 22. März in Wiesbaden verliehen werden sollen. Die Verschiebung war offiziell mit einer Krankheit Kardinal Lehmanns begründet worden. (dpa)

Datum:  13 | 5 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken