Hätten Sie selbst das Zeug zum Helden?
Ich denke schon. Ich würde das gerne so sehen, ja. Ich wäre entsetzt, wenn die Situation käme, und ich würde nicht handeln. Ganz wichtig für einen Helden ist es, dazu bereit zu sein, anders zu sein. Ich galt immer als Abweichler. Ich bin bereit, Dinge zu tun, die die Leute seltsam finden.
War Abu Ghraib ein Tabu-Bruch in der Geschichte der USA? Oder war das bereits das Massaker von My Lai in Vietnam?
Abu Ghraib oder My Lai: Man fragt sich doch, wie viele ähnliche Sachen passiert sind, von denen wir nicht erfahren haben. Es gibt viele, viele Fälle auch in anderen Ländern. Auf einer Basis der Air Force im Irak gab es einen Raum, wo Soldaten "Stress abbauen" konnten, indem sie Irakern mit Baseballschlägern die Knochen brachen. Einfach so. Weil sie es konnten. In britischen Gefängnissen im Irak zwangen sie kleine Jungen zu Oralsex untereinander. In Guantánamo beschmierten sie das Gesicht eines Häftlings mit Menstruationsblut. So etwas ist kreativ böse.
Das Böse geschieht überall.
Ja, denken Sie an die Amokläufe in Schulen. Jedes Mal wollen die Leute wissen, was im Kopf des Mörders vorgeht. Nein: Das Muster müssen wir verstehen lernen. Der Koreaner in Virginia, der Weiße in Columbine: ausgegrenzt. ausgelacht, schüchtern, ohne Freunde. Mit dem koreanischen Jungen hatte ein Jahr lang auf dem Campus keiner gesprochen. Was ist das für ein Erziehungssystem, das so etwas zulässt? Daran müssen wir arbeiten. Stattdessen fordern sie, dass alle Studenten eine Waffe bekommen. Was für ein Land!
Was ist Ihre größte Angst?
Dass die Republikaner die Macht in Amerika behalten. Sie zerstören Amerika. Die Angst vor Terrorismus ist schlimmer als Terrorismus. Inzwischen sind all diese faschistischen Methoden, vom Abhören über Guantánamo bis Abu Ghraib, akzeptiert. Und das im Namen der Demokratie.
Interview: Frauke Haß