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Island: Die Stille nach dem Zorn

Und jetzt? "Wenn ich das wüsste," sagt der Barde. "Was die Menge einte, war die Wut", sagt Stefanson, einer der Initiatoren der Proteste, "die Menschen wussten, wogegen sie kämpften, aber nicht wofür." Jetzt sammeln die Samstagdemos nur noch einen Bruchteil der früheren Scharen. Die Bürgerkomitees, bei deren Treffen sich die Menschen bis ins Treppenhaus drängten, tagen in halbleeren Sälen. Nach dem Zorn kommt die Stille. Vielleicht will man der neuen Regierung unter der populären Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir, eine Chance geben. Sie ist die einzige Politikerin, die Vertrauen erweckt.

Oder wissen die Isländer nicht, welchen Weg sie gehen wollen? "Wir hatten eine vorrevolutionäre Bewegung, aber aus ihr sind keine neuen Führer entsprungen", stellt der sozialdemokratische Außenminister Ossur Skarphedisson fest. Die Pläne für die Bildung neuer Parteien, die das alte Establishment wegfegen würden, haben sich zerschlagen. Sie scheiterten an innerer Uneinigkeit.

Soll die EU Islands Rettungsanker sein? Oder würde die Aufgabe der Selbstständigkeit mehr schaden als nützen? Die Sorge um das tägliche Leben überlagert jetzt das politische Engagement. "Wir müssen das System der Verfilzungen von Politik und Wirtschaft brechen, sonst war alles umsonst", warnt Torfason. Doch Island habe sich schon verändert, meint Finanzminister Steingrimur Sigfusson, der Chef der Links-Grünen: "Die neoliberale Ideologie der Gier, die das Land fest im Griff hielt, ist zusammengebrochen, und wir wenden uns wieder einem Solidaritätsmodell zu." Solveig Olafsdottir ist überzeugt, dass die Menschen wachsam bleiben. "Sie haben verstanden, dass sie die Macht haben, Dinge zu ändern", und das werde sie prägen, auch wenn jetzt noch ganz harte Jahre kommen. Bjarnar Hannesson jedenfalls will nicht ruhen, ehe auch Oddsson, der Notenbankchef, den viele für das Sinnbild der Krise halten, aus seinem Palast gejagt ist. So steht er auch am folgenden Morgen wieder im Schneeregen vor der Nationalbank und trommelt und trommelt.

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Autor:  HANNES GAMILLSCHEG
Datum:  21 | 2 | 2009
Seiten:  1 2
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