Roland Kochs Mehrheit in Hessen hängt seit gestern auch von einem Abgeordneten mit türkischen Wurzeln ab. Der 51-jährige Ismail Tipi aus Heusenstamm, der mit 13 Jahren nach Deutschland kam, ist für die hessische CDU in den Landtag eingezogen. In die CDU trat er 1999 ein - in dem Jahr, in dem Koch in Hessen an die Macht kam.
Niemand konnte damit rechnen, dass der freundliche Mann mit dem runden Gesicht so schnell Landtagsabgeordneter werden würde. Bei der Wahl vor einem Jahr stand Tipi auf der CDU-Landesliste auf dem aussichtslosen Platz 67. Der Rückzug des CDU-Abgeordneten Volker Hoff macht nun den Weg frei für seinen Nachrücker Tipi.
Ismail Tipi, 51, Journalist für deutsche und türkische Medien, sitzt nun für die CDU im Hessischen Landtag.
Ex-Europaminister Hoff hatte zu Monatsbeginn einen Führungsposten beim Autobauer Opel angetreten und sich nach heftigem Druck doch dafür entschieden, das Mandat im Landesparlament dafür abzugeben.
Am Dienstag war es so weit, erste Fraktionssitzung für den Neuen. CDU-Fraktionschef Christean Wagner sagte, er wünschte sich eine Bereicherung durch Tipis "Erfahrungen als langjähriger Journalist für türkische und deutsche Medien". Im Heusenstammer Sportverein ist Ismail Tipi als Integrationsbeauftragter tätig, in der CDU seines Heimatorts kümmert er sich um die ausländischen Mitglieder seiner Partei - und auch im Landtag will er sich der Integration widmen. "Schließlich kenne ich beide Seiten", sagt er.
Man darf gespannt sein, wie das in der konservativen Hessen-CDU ankommt. In Wiesbaden ist Hans-Jürgen Irmer CDU-Fraktionsvize - ein Mann, der jedes Vordringen des Islam in Deutschland gefährlich findet.
Als Journalist war Tipi jahrelang für die große türkische Zeitung Hürriyet tätig, später dann für den Fernsehsender Star-TV. Zuletzt arbeitete der Vater einer Tochter als freier Journalist auch in deutscher Sprache, unter anderem für seine Offenbacher Lokalzeitung. Jetzt kündigt er an, er lege den Fotoapparat trotz des künftigen Jobs in der Politik "nicht aus der Hand".
Tipi, 1959 in Izmir geboren, zählt zu den ganz wenigen türkischstämmigen Abgeordneten der CDU. Er gilt als laizistisch geprägter Moslem. In Berlin hat die in der Türkei geborene Sozialarbeiterin Emine Demirbüken seit 2006 einen Sitz im Landesparlament, in Hamburg seit 2008 die Juristin Aygül Özkan, die in Deutschland geboren ist, aber türkische Eltern hat. In der hessischen CDU spielte bislang nur Vorstandsmitglied Yasar Bilgin eine Rolle.
Auf Integrationspolitik will sich der Neue in Wiesbaden nicht beschränken. Auch eine harte Linie in der Innenpolitik und eine wirtschaftsfreundliche Politik zur Ansiedlung von Unternehmen seien ihm ein Anliegen, betont Tipi.