In Bil'in gab es schon viele Versuche. Zwischen den alten Olivenbäumen wurden die Demonstranten mit nervtötenden Klängen aus überdimensionalen Boxen malträtiert. Oder mit Pfeffergeschossen, die in kleinen Hautwunden brennen wie Feuer. "Wann immer sie sich etwas ausdenken, kommen sie hier her und probieren es aus", sagt Khatib. "Wir kommen uns vor wie die Mäuse im Labor."
Eliran Tamuz kommt seit drei Jahren jeden Freitag nach Bil'in. Er war nicht beim Militär, weil er bei der Musterung angab, er sei schwul. Damit, sagt Tamuz, "war ich ein Sicherheitsrisiko". Sein Vater hat in der Armee Karriere gemacht, sein Bruder ist bei einer Spezialeinheit. Kaum ein Abendessen vergeht, an dem nicht leidenschaftlich über die Notwendigkeit von Zäunen und Mauern und Tränengas diskutiert wird.
"Solange wir vor Ort sind, werden sie keine scharfe Munition einsetzen. Sie werden nicht auf Israelis schießen", sagt Tamuz, aber vor allem hofft er das. Auch eine Kugel mit Gummihülle kann zu schweren Verletzungen führen. "Dieses Boash aber hatte eine neue Qualität", sagt er. Tagelang habe es gedauert, den Gestank aus Haut und Kleidern zu waschen. Salz, hat einer gesagt, würde helfen, tat es aber nicht. Jeder konnte riechen, wer in Bil'in war. "Sie konnten uns nicht vertreiben", sagt Tamuz. "Da haben sie uns markiert." Aber auch das konnte die Demonstrationen nicht stoppen.
Im Gegenteil. Mit dem Krieg in Gaza erinnerte der Protest kurzzeitig wieder an die Anfänge. Es kamen wieder mehr Menschen. Mal haben sie mit Schuhen auf die Soldaten geworfen, mal Häftlingskleidung wie die Juden in deutschen Konzentrationslagern getragen. Insgesamt aber werden die Demonstrationen kleiner in Bil'in. "Der Konflikt steckt in einer Sackgasse. Die Menschen werden müde", sagt Khatib, die vielen Aktionen der Dorfbewohner und die Reaktionen des Militärs, "das alles zehrt an ihren Kräften".
Während das Bürgerkomitee und die israelische Linke für ihren hartnäckigen Widerstand weltweit Anerkennung ernten, kommen immer weniger Helfer und immer mehr Schaulustige, die es freitags zur Grenze zieht. Die Zahl der von Touristen gedrehten Krawallvideos steigt auf Youtube beinahe täglich. Was das israelische Militär, so berichten es Augenzeugen, nicht davon abhält, weiter neue Waffen zu testen.
"Der Wahnsinn geht weiter", sagt Tamuz.
"Wir kommen wieder", sagt Khatib.
An diesem Freitag in Bil'in.