In Lateinamerika ist die erste Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern geschlossen worden. Auf dem Standesamt von Ushuaia, der südlichsten Stadt des Kontinents, gaben sich die Argentinier Alex Freyre und José María di Bello das Ja-Wort.
Wegen seines umstrittenen Versuchs, die Ehe zu schließen, steht das Paar seit Monaten im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Um juristische Gegenmaßnahmen diesmal gar nicht erst zu ermöglichen, bereiteten die beiden ihre Heirat im Geheimen vor - und überraschten die argentinische Öffentlichkeit damit. "Wir sind außerordentlich bewegt und erfreut darüber, was das nicht nur für uns beide, sondern für alle Schwulen und Lesben Argentiniens bedeutet", sagte Di Bello nach der Eheschließung.
Die beiden hatte bereits im November in Buenos Aires das Aufgebot bestellt, nachdem eine Richterin befunden hatte, die Artikel des argentinischen Zivilrechts, die die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern untersage, widerspreche dem Gleichheitsgrundsatz und damit der Verfassung. Die beiden HIV-positiven Gay-Aktivisten hatten daher jubelnd ihre Hochzeit für den 1. Dezember anberaumt, dem Welt-Aids-Tag, mussten jedoch am Tag vorher eine bittere Enttäuschung hinnehmen, als die Eheschließung durch eine Einstweilige Verfügung suspendiert wurde.
Weniger romantische Gründe
Den zweiten Versuch unternahmen sie deshalb, ohne die Öffentlichkeit zu informieren. Di Bello verlegte seinen Wohnsitz nach Ushuaia, Hauptstadt von Feuerland, dessen Gouverneurin Fabiana Ríos bekannt dafür ist, der Sache der Schwulen und Lesben offen gegenüber zu stehen.
Als die beiden beim Standesamt das Aufgebot bestellten, wurden sie zwar abgewiesen, aber die Gouverneurin wies unter Berufung auf das Urteil der Richterin in Buenos Aires die ihr untergebene Behörde an, das Paar zu trauen. Das geschah unmittelbar darauf, um den Gegnern keine Gelegenheit des juristischen Einschreitens zu geben. "Wir sind sehr stolz", sagte Di Bello vor lokalen Medien und einem nationalen TV-Sender, die als einzige informiert worden waren. Ihre Hochzeit ist die erste von Schwulen in ganz Lateinamerika.
"Ich habe nur getan, was mir die Rechtslage aufgibt", sagte die Gouverneurin danach, "es gibt schließlich ein Urteil zugunsten der beiden". Dennoch steht die Eheschließung juristisch auf schwankendem Grund, aber das macht den beiden nichts aus. Sie machen kein Hehl daraus, dass sie gar nicht so sehr aus romantischen Gründen den Bund der Ehe eingehen wollen, sondern um den Kampf gegen die Benachteiligung gleichgeschlechtlicher Paare voranzubringen. Tatsächlich ist nun ein Präzedenzfall geschaffen, der den Druck auf das Oberste Gericht erhöht, das darüber befinden müsste, ob Schwulen-Ehen durch den Gleichheitsgrundsatz gedeckt sind . Gefragt sein könnnte aber auch der Gesetzgeber.
Die Argumente dafür und dagegen sind in Argentinien nicht anders als anderswo in der westlichen Welt. Ohne Trauschein werden gleichgeschlechtliche Paare in steuer-, erb- und versorgungsrechtlichen Fragen benachteiligt, ebenso bei der Erziehung von Kindern aus früheren heterosexuellen Ehen oder bei Adoptionen. Die Gegner berufen sich auf den herkömmlichen Begriff von Familie; der als konservativ bekannte Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Bergoglio, qualifiziert Schwulen-Ehen als "absolut illegal".