Bis Jahresende soll jeder zehnte Arbeitsplatz bei Lufthansa Cargo gestrichen sein. Die Frachttochter des Kranichs will die Stellen aber ohne betriebsbedingte Kündigungen abbauen. Das Management setzt darauf, dass Mitarbeiter freiwillig gehen. Der Konzern lockt mit Abfindungen, Sonderurlaub sowie Altersteilzeit.
Etwa 4600 Leute arbeiten weltweit für Lufthansa Cargo - rund 2000 davon in Frankfurt. Der Stellenabbau werde vor allem Deutschland treffen, sagte Unternehmenssprecher Nils Haupt am Dienstag. Der Betriebsrat war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Frischer Thunfisch, Rennwagen und Autoteile für die Industrie bringen die Frachtflieger in alle Welt. Lufthansa Cargo hat 19 eigene Frachtmaschinen, von denen derzeit vier wegen der Krise am Boden stehen. Die Tochter der Lufthansa AG nutzt aber auch die Jets der Mutter: Die Hälfte der 1,7 Millionen Tonnen Güter jährlich transportiert LH Cargo im Bauch von Passagiermaschinen. 2,9 Milliarden Euro Umsatz wurden 2008 so erzielt.( pdi)
"Wir haben das brutalste Jahr der Unternehmensgeschichte hinter uns", erklärt Haupt den Schnitt. 2009 sei der Umsatz um ein Drittel abgestürzt. Die genauen Bilanzzahlen wird der Konzern zwar erst am 11. März präsentieren. Peter Gerber, Finanzchef bei Lufthansa-Cargo, kündigte in einem Interview mit der Firmenzeitschrift Lufthanseat aber schon mal ein "tief negatives Ergebnis" für die Frachttochter mit Sitz in Kelsterbach an.
Die gesamte Logistikbranche leidet unter der Flaute. Im Schnitt lassen die Fluggesellschaften weltweit etwa 15 Prozent ihrer Frachtflieger am Boden, schätzen Experten. Lufthansa Cargo hat vier seiner 19 Maschinen vorerst stillgelegt. Die Jets stünden in der Wüste Kaliforniens, erzählt Haupt. Dort seien sowohl Klima als auch Kosten für geparkte Flugzeuge am günstigsten.
Zwar habe das neue Jahr gut angefangen, sagt der Firmensprecher. Für Entwarnung sei es aber noch zu früh. Wachstumstreiber seien vor allem die Märkte in Asien. Die Branche hoffe nun auf ein Anziehen des Geschäfts im Vorfeld von Ostern.
Weil die Lage aber ungewiss ist, setzt Lufthansa Cargo weiter auf Kurzarbeit. Die rund 2600 Beschäftigte am Boden hatten seit März verkürzte Einsätze. Die Vereinbarung mit dem Betriebsrat indes läuft Ende Februar aus. Deshalb wurde jetzt ein neuer Vertrag ausgehandelt. Danach wird die Kurzarbeit von 25 auf 20 Prozent reduziert. Die neue Vereinbarung gilt bis zum 28. Februar 2011. Das bedeute aber nicht, dass bei Lufthansa Cargo bis dahin automatisch kurz gearbeitet werde, betont Gerber.
Je nach Konjunktur könne das Unternehmen früher aussteigen. Man habe nun aber die Möglichkeit, flexibel auf die Nachfrage zu reagieren. "Die Krise ist noch nicht vorbei", sagt der Finanzchef weiter. Es werde noch einige Zeit dauern, bis das Mengenniveau der Jahre 2007 und 2008 wieder erreicht sei. Die weltweite Luftbranche habe in der Flaute das Wachstum von vier Jahren eingebüßt, sagt Gerber.
Nicht nur die Krise drückt das Management. Auch die Debatte um das Nachtflugverbot am wichtigsten Lufthansa-Drehkreuz in Frankfurt sorgt für Unruhe. Ein absolutes Verbot würde den Frachtbereich "existenziell gefährden", heißt es.