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Käßmann-Nachfolger Schneider: Schärfe mit Herzlichkeit

Margot Käßmann ist als Konsequenz ihrer Trunkenheit von ihrem Amt zurückgetreten. Jetzt leitet Nikolaus Schneider den Rat der Evangelischen Kirche kommissarisch. Auch er steht für einen entschiedenen politischen Kurs der Kirche. Von Joachim Frank

Nikolaus Schneider soll in die Fußstapfen von Margot Käßmann treten.
Nikolaus Schneider soll in die Fußstapfen von Margot Käßmann treten.
Foto: dpa

Der überraschend schnelle Schritt von Rang zwei auf Rang eins ist für Nikolaus Schneider nichts Neues. In der Evangelischen Kirche im Rheinland war er als Vize von Präses Manfred Kock dessen geborener Nachfolger, rückte aber eher als geplant auf, als Kock 2003 mit Rücksicht auf seine Gesundheit vorzeitig abtrat.

Seither steht der 1947 geborene Theologe an der Spitze der zweitgrößten EKD-Mitgliedskirche, der fast drei Millionen Gläubige vom Rheinland bis ins Saarland angehören. Im Oktober 2009 wählte ihn die Synode der EKD zum Stellvertreter der Ratsvorsitzenden Margot Käßmann. Diese sprach von ihrem Vize stets nur in den höchsten Tönen. Im Streit über Käßmanns Afghanistan-Predigt zu Neujahr stellte sich Schneider beherzt vor sie.

Schneider im Rundfunk

Nach dem Rücktritt von Bischöfin Margot Käßmann sollte wieder ein profilierter Theologe an der Spitze der EKD stehen, sagte Schneider am Donnerstagmorgen im WDR. Zu seinen eigenen Ambitionen äußerte sich der bisherige Stellvertreter Käßmanns und Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland nicht.

Er machte deutlich, dass die Evangelische Kirche auch weiterhin zu den Fragestellungen von Recht und Gerechtigkeit, Krieg und Frieden und zur Bewahrung der Schöpfung Stellung nehmen werde. Der Nachfolger Käßmanns müsse "dem Protestantismus eine deutliche Stimme verleihen", sagte Schneider. Wie es personell weitergehe, werde später entschieden. "Zunächst einmal bin ich dran als ihr Stellvertreter", sagte Schneider. Ob er auch die Nachfolge Käßmanns anstrebe, ließ er jedoch offen. Wenn er gefragt würde, werde er sich damit auseinandersetzen, fügte er hinzu.

Auch Schneider steht für einen entschiedenen politischen Kurs der Kirche. Regelmäßig meldet er sich zu politischen und sozialen Fragen zu Wort - immer aus der Perspektive der Schwachen und Hilfsbedürftigen.

Schneider hat das Talent, scharf zu formulieren und zugleich mit Herzlichkeit, Klugheit und Zuhörbereitschaft für sich einnehmen zu können. Im ökumenischen Dialog ist ihm das schon sehr zupassgekommen. Schließlich hat es der rheinische Präses, Dienstsitz Düsseldorf, im benachbarten Köln mit Kardinal Joachim Meisner zu tun - einem harten Brocken für aufrechte Protestanten, zählt der Kölner Erzbischof sie doch im Einklang mit Rom bestenfalls zu einer Kirche zweiter Klasse.

Die beiden Kirchenmänner halten regelmäßig gemeinsame Gottesdienste, sogar im hochheiligen Dom zu Köln. Wie es heißt, haben sie auf der menschlichen Ebene zusammengefunden - etwa im Dialog über die Krebskrankheit von Schneiders Tochter Meike. Für Schneider und seine Frau Anne war der mehrjährige Kampf um das Leben ihrer Tochter, den sie 2005 verloren geben mussten, eine existenzielle Krise. Ein gemeinsames Buch darüber ist erkennbar auch ein Stück Trauerarbeit. Und es dokumentiert den Versuch, im Leid den Glauben als Quelle des Trostes zu erschließen. Auch in dieser Verbindung von Erfahrung und christlichem Zeugnis ist Schneider der bisherigen EKD-Ratsvorsitzenden Käßmann gar nicht so unähnlich.

Autor:  Joachim Frank
Datum:  24 | 2 | 2010
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