Berlin. Unter dem Eindruck neuerlicher Spannungen im deutsch-türkischen Verhältnis kommt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Montag in Ankara mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zusammen. Auf dem Programm steht eine Reihe brisanter Themen.
Dazu gehören die schleppenden Beitrittsverhandlungen zwischen der Europäischen Union und dem NATO-Partner Türkei, die Lage in der Region mit Blick auf den Iran und Israel sowie der schwierige Versöhnungsprozess der Türkei mit Armenien. Auch die von der EU mitgeplante Erdgasleitung Nabucco wird eine Rolle spielen.
Merkel will bei ihrem bevorstehenden Besuch in Ankara und Istanbul aber auch über die Integration der türkischstämmigen Bürger in Deutschland reden. Dabei gehe es nicht darum, die eigene Heimat aufzugeben, sondern um die Teilhabe am gesellschaftlichen Erfolg, im Arbeits- und im Familienleben, sagte Merkel in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft im Internet. "Das bedeutet natürlich, dass die deutsche Sprache erlernt wird und die deutschen Gesetze eingehalten werden."
SPD-Chef Sigmar Gabriel hat auch im Kontext der Aufmärsche von Rechten in Duisburg ebenfalls dazu aufgerufen, schwierigen Fragen der Integration nicht aus dem Weg zu gehen. Es gebe noch viele Defizite, diese müssten aber demokratisch diskutiert werden, sagte er im Deutschlandfunk. Gabriel sprach sich etwa dafür aus, Türkisch an den Schulen als zweite oder dritte Fremdsprache zu lehren. Rein türkische Schulen seien hingegen nicht mit dem deutschen Bildungswesen vereinbar.
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte vor gut zwei Jahren bei einem Auftritt vor türkischen Landsleuten in Köln vor einer Aufgabe ihrer nationalen Identität in Deutschland gewarnt. Er bezeichnete Assimilation als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und löste damit heftige Reaktionen deutscher Politiker aus. In der vergangenen Woche forderte Erdogan die Gründung türkischer Gymnasien und die Zulassung einer doppelten Staatsangehörigkeit in Deutschland. Merkel lehnt das - wie andere deutsche Politiker - ab. (ddp/dpa)