Die Branche, dozierte der Angeklagte und meinte die Vermittlung privater Krankenversicherungen, sei "leider extrem: Man versucht, alles und jeden gegeneinander auszuspielen."
Mehmet Göker weiß, wovon er spricht: Die nach seinen Initialen getaufte MEG AG in Kassel hat ihm einen rasanten Aufstieg vom Azubi zum Millionär beschert. Und wieder retour: Heute ist das Vermittlungsunternehmen insolvent - und der einstige Alleinherrscher muss, wie er gestern vor dem Kasseler Amtsgericht erklärte, mit bescheidenen 1500 Euro im Monat auskommen.
Die MEG AG in Kassel galt als zweitgrößter Spezialvermittler für private Krankenversicherungen. Sie wurde 2003 vom damals 24-jährigen Mehmet Göker als Ein-Mann-Betrieb gegründet.
Im Jahr 2008 erwirtschafteten rund 1300 Beschäftigte einen Umsatz von 60 Millionen und einen Gewinn von 3,1 Millionen Euro. Nach gescheitertem Verkauf an die Vertriebsgesellschaft Aragon in Wiesbaden meldete MEG im Oktober 2009 Insolvenz an. Mehmet Göker war zuvor von seinem Vorstandsposten zurückgetreten. (jft)
Der Fall MEG beschäftigt - wieder einmal - die Justiz. Ermittelt wird wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung, des Verrats von Geschäftsgeheimnissen, der Untreue und des Betrugs.
Bereits 2008 musste Göker eine Geldstrafe von 720.000 Euro (720 Tagessätze à tausend Euro) zahlen, weil er für seine scheinselbstständigen Versicherungsvermittler keine Sozialversicherungsbeiträge abgeführt hatte. Dagegen war es nur eine Petitesse, die den schillernden Geschäftsmann nun erneut auf die Anklagebank führte.
2500 Euro Geldstrafe
Zwei ehemalige Vorstandskollegen, die er des Diebstahls von Kundendaten für ihre neue Vermittlungsfirma verdächtigte, hatte er am Telefon beleidigt und bedroht: Von abzuschneidenden Eiern war die Rede - unter anderem. Der 31-Jährige erhielt dafür am Ende eine Geldstrafe von 2500 Euro. Göker hatte die Vorwürfe weitgehend eingeräumt - und beklagte sich bitter über die Undankbarkeit der beiden Männer. "Ich habe viel für diese Menschen getan, ihr Leben positiv auf den Kopf gestellt", verkündete er großspurig. Steile Karrieren vom Autoverkäufer zum Unternehmensvorstand, teure Sportwagen, Monatsgehälter von 30 000 Euro und mehr: "Das hat ihnen nur die MEG ermöglicht."
Was Göker das "Erlebnis MEG" nennt, fasste eine Zeitung einmal mit den Worten zusammen: "Porsche, Partys, Provisionen". Und jede Menge Selbstdarstellung: Der junge Firmenchef brüstete sich mit seiner Ferrari-Flotte, schaltete ganzseitige Anzeigen mit seinem Bild in der überregionalen Presse, leistete sich mit MEG Göttingen ein eigenes Basketball-Bundesligateam.
Für seine Beschäftigten war er ein Star: Als die Insolvenz bekanntwurde, skandierten sie vor laufenden Kameras: "Es gibt nur einen Mehmet Göker!" Der Absturz des so kritisch wie neidisch beäugten Glamour-Mannes lockte derart viel Publikum ins Amtsgericht, dass die meisten draußen bleiben mussten. "Wir hätten eigentlich die Stadthalle mieten können", scherzte Richter Gerd Krämer.