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Konzerne: Verzicht auf Kündigungen

Gemeinsam gegen die Krise: Nach siebenstündigen Verhandlungen im Kanzleramt haben die Vorstände großer deutscher Konzerne angeboten, 2009 keine betriebsbedingten Kündigungen vorzunehmen.

Die großen Konzerne in Deutschland wollen sich verpflichten, angesichts der Wirtschaftskrise 2009 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Zu einem Spitzentreffen im Kanzleramt kam auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.
Die großen Konzerne in Deutschland wollen sich verpflichten, angesichts der Wirtschaftskrise 2009 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Zu einem Spitzentreffen im Kanzleramt kam auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.
Foto: rtr

Berlin. Die großen Konzerne in Deutschland wollen sich selbst verpflichten, auf betriebsbedingte Kündigungen im kommenden Jahr zu verzichten. Dies hätten die Chefs großer Unternehmen angesichts der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise beim Spitzentreffen im Kanzleramt angeboten, wurde am Abend in Berlin nach den mehr als siebenstündigen Beratungen bekannt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) riefen zu einem nationalen Kraftakt gegen die schwere Wirtschaftskrise auf. Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften müssten an einem Strang ziehen. "Es kommt darauf an, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen", sagte Merkel in Berlin vor dem Spitzentreffen mit Topmanagern, Verbänden und Ökonomen. Die Bundesregierung könne die Konjunktur nicht allein stützen.

Steinmeier warb ebenso für gemeinsames Handeln. Der Staat müsse gezielt entlasten: "Es muss kraftvoll gehandelt werden, aber auch mit Köpfchen." Beschlüsse wurden von dem Treffen nicht erwartet.

Merkel sagte, die "schwierigen Monate, die vor uns liegen", könnten am besten gemeinsam bewältigt werden. Die Regierung wolle im Januar entscheiden, ob weitere Maßnahmen gegen die Krise erforderlich seien. Die Kanzlerin kündigte an, noch in dieser Woche mit den Ministerpräsidenten über das Vorziehen von Investitionen in die Infrastruktur zu beraten. "Alles, was wir im nächsten Jahr tun, sollte langfristig Deutschland stärken und kein Strohfeuer sein."

Steinmeier betonte, jeder Euro müsse 2009 sinnvoll für Beschäftigung ausgegeben werden. "Das darf nicht das Jahr der Entlassungen werden." Er appellierte an die Unternehmen, Beschäftigte so lange wie möglich zu halten und nicht voreilig zu entlassen. Die Sicherung von Arbeitsplätzen und die schleppende Kreditvergabe der Banken waren Hauptthemen des Treffens im Kanzleramt.

Zuvor hatte Bundespräsident Horst Köhler eine gemeinsame Kraftanstrengung gefordert und zu einer neuen "konzertierten Aktion" aufgerufen. Mit diesem Ausdruck griff das Staatsoberhaupt einen Begriff aus den späten 60er Jahren auf. Damals hatte sich die große Koalition mit Wirtschaft und Gewerkschaften regelmäßig getroffen, um die erste Nachkriegsrezession in den Griff zu bekommen. Auch Merkel setzt auf weitere Treffen.

Merkel nannte die Runde den "Ausgangspunkt einer sehr engen Zusammenarbeit mit allen Akteuren in unserer Gesellschaft". Neben Bundesministern, Bundesbank-Präsident Axel Weber und den Vorsitzenden der großen Gewerkschaften nahmen auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Siemens-Chef Peter Löscher und Telekom-Boss René Obermann teil. Hinzu kamen Ökonomen wie der "Wirtschaftsweise" Bert Rürup.

SPD-Chef Franz Müntefering forderte Infrastruktur-Investitionen. Bei Straßen, Brücken, Kindergärten und Krankenhäusern liege "eine Menge Arbeit, die wir tun können", sagte er beim Landesparteitag der hessischen SPD in Alsfeld. Wie Merkel erteilte Müntefering CSU- Forderungen nach einer raschen Steuerreform eine Absage.

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer hielt dagegen. Schnelle Steuerentlastungen für alle Bürger seien bitter nötig. CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg sagte am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt": "Klar und hartnäckig bestehen wir auf diesen Steuersenkungen, weil wir es für den richtigen Weg halten." Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) schloss schnelle Steuersenkungen in der "Bild am Sonntag" dagegen aus.

Linksparteichef Oskar Lafontaine warf der Koalition Tatenlosigkeit vor. "Die Arbeitsplätze gehen verloren, aber die Koalition handelt nicht." Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte in der "Rheinischen Post" (Montag) eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge, "weil dadurch alle Arbeitnehmer entlastet werden".

Laut "Wirtschaftswoche" bereitet die Regierung bereits ein zweites Konjunkturpaket im Umfang von mindestens 30 Milliarden Euro vor. Kernpunkte seien die Beseitigung der "kalten Progression" im Steuerrecht, die Senkung der Krankenkassenbeiträge durch einen höheren Zuschuss zum Gesundheitsfonds und Steuerschecks für Arme.

Bislang hat die Koalition Entlastungen - inklusive Pendler- Rückzahlungen - für Bürger und Wirtschaft von 38,5 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Einen Bericht, die Regierung rechne 2009 mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von 2,0 Prozent, wies Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zurück. Offiziell erwartet die Regierung weiter ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. (dpa)

Datum:  14 | 12 | 2008
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