Frankfurt/Main. Die neue hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) will die Abwerbung von Lehrern unter den Bundesländern bei der Kultusministerkonferenz im März zum Thema machen.
"Wenn ein Land plötzlich Lehrer braucht, um im Rahmen einer Bildungsoffensive Klassenstärken zu verringern, dann darf das nicht zulasten anderer Länder gehen", sagte Henzler der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") mit Blick auf die Kampagne von Baden-Württemberg. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) kritisierte, im Wettbewerb um Lehrer sei "eine Eskalationsstufe erreicht, die die Schamgrenze verletzt".
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) lobte dagegen den neuen Wettbewerb der Bundesländer um junge Lehrer. "Eine offensive Werbung um Lehrer kann dem Ansehen des Lehrerberufs dienen und mehr qualifizierte junge Menschen zur Aufnahme eines Lehramtsstudiums motivieren", sagte er der Zeitung. Baden-Württembergs Regierungschef Günther Oettinger (CDU) verteidigte die Kampagne seines Landes: "Auch angehende Lehrkräfte haben das Recht, sich bundesweit auf Stellen zu bewerben."
Nach einer neuen Studie zieht der Lehrerberuf in Deutschland vor allem Abiturienten mit einem schlechten Zeugnis an. Schüler mit guten Noten mieden den Beruf dagegen, ergab eine Studie des Münchner Bildungsökonomen Ludger Wößmann, über die die "FAS" berichtet. Demnach haben nur Gymnasiallehrer einen Abiturdurchschnitt, der so gut ist wie der von anderen Uni-Absolventen. "Lehrer für Grundschulen und für die Sekundarstufe I hingegen waren deutlich schlechter im Abitur", sagte Wößmann. (dpa)