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Liechtenstein-Prozess: Steuersünder fliegen auf

Noch mehr Steuersünder müssen zittern: Die Rostocker Staatsanwaltschaft geht davon aus, alle gestohlenen Kontobelege der LLB bekommen zu haben. Von Eske Hicken

Die Liechtensteinische Landesbank wurde scheinbar erpresst.
Die Liechtensteinische Landesbank wurde scheinbar erpresst.
Foto: ap

Mehr Steuersünder als zunächst vermutet müssen sich in den kommenden Monaten für ihre unversteuerten Vermögen bei der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) verantworten. Die Staatsanwaltschaft Rostock hat offenbar sämtliche rund 2300 gestohlenen Kontobelege deutscher Steuersünder erhalten, mit denen die LLB und einige ihrer Kunden erpresst wurden. "Wir gehen davon aus, dass es alle Daten sind", sagte Oberstaatsanwalt Peter Lücke-mann der Frankfurter Rundschau.

Die Hamburger Rechtsanwältin Leonore Gottschalck-Solger, die dem Gericht am Freitag die Daten übergeben hatte, hatte zunächst von 1850 Belegen gesprochen - auf den kopierten Seiten befinden sich teilweise Daten mehrerer Konten.

Die vier Männer, die sich derzeit vor dem Rostocker Landgericht verantworten müssen, sollen die Bank vom Jahr 2005 an mit den gestohlenen Kontodaten erpresst haben - das Verfahren gegen einen der Angeklagten ist derzeit ausgesetzt.

Die LLB hatte sich damals bereit erklärt, die Daten für 13 Millionen Euro in drei Raten zurückzukaufen. Neun Millionen hatte die zweitgrößte Liechtensteiner Bank bereits gezahlt und 1600 Datensätze erhalten. Zur letzten Übergabe kam es nicht mehr, weil der Hauptangeklagte Michael F. verhaftet wurde. Die restlichen 725 Daten blieben verschollen.

Für die Kunden der LLB, die ihre vertraulichen und brisanten Daten in den Händen Krimineller wussten, endet nun wohl zumindest die Ungewissheit. Die rund 2300 Belege wurden offenbar gleich in mehreren Sätzen kopiert. Bis zuletzt gab es Gerüchte, dass noch mehrere Exemplare in Kriminellenkreisen kursierten. Mit der Herausgabe der Kopien sämtlicher Kontobelege an die Justiz wäre weiteren Erpressungen die Grundlage entzogen. Die Verteidigung hofft nun, dass sich die Herausgabe der Daten an die Justiz strafmildernd auswirken wird, es geht ihr darum, der Bank illegale Schwarzgeldgeschäfte nachzuweisen. Für den Hauptangeklagten Michael F. könnte sich dies allerdings nachteilig auswirken: F. habe die LLB über die Herausgabe der Daten getäuscht, sagte Lücke-mann. Die LLB war davon ausgegangen, tatsächlich alle Daten erhalten zu haben.

Noch wird das Material ausgewertet. Die Staatsanwaltschaft nimmt aber an, dass die Belege echt sind. Auf den ersten Seiten befindet sich etwa der Name eines der Erpressungsopfer - der Mann hatte in dem Verfahren bereits als Zeuge ausgesagt.

Autor:  Eske Hicken
Datum:  4 | 8 | 2008
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