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Madagaskar: Der Machtkampf spitzt sich zu

Antananarivos Bürgermeister Rajoelina ruft zu neuen Demonstrationen auf und erhöht den Druck auf den Präsidenten. Von Johannes Dieterich

Die Radiostation von Madagaskar wurde gestürmt, verwüstet und angezündet.
Die Radiostation von Madagaskar wurde gestürmt, verwüstet und angezündet.
Foto: rtr

Dem afrikanischen Inselstaat Madagaskar stehen nach den gewaltsamen Unruhen der vergangenen Tage neue Großdemonstrationen bevor. Für heute rief der Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo, Andry Rajoelina, zu einer weiteren Massenkundgebung auf dem "Platz des 13. Mai" auf. Es wird erwartet, dass diesem Aufruf wieder Zigtausende folgen.

Rajoelina befindet sich auf Konfrontationskurs mit Präsident Marc Ravalomanana, seit dieser im Dezember die Fernsehstation des Bürgermeisters vorübergehend schließen ließ. Diese hatte ein Interview mit dem im Pariser Exil lebenden Erzfeind des Staatschefs, Didier Ratsiraka, ausgestrahlt. Rajoelina wirft dem Präsidenten einen "diktatorischen" Regierungsstil sowie Selbstbereicherung und Korruption vor und fordert dessen Rücktritt. Beobachtern zufolge kann er dabei auf die Unterstützung vor allem der ärmsten Madagassen setzen.

Plünderer räumen die Radiostation aus.
Plünderer räumen die Radiostation aus.
Foto: rtr

Schon mehr als 90 Tote

Die Ausschreitungen erreichten am Montag ihren vorläufigen Höhepunkt, als Demonstranten zahlreiche Gebäude in Antananarivo anzündeten - unter anderem den Sitz von Ravalomananas Fernsehsender. Mindestens 37 Plünderer starben, als ein in Brand gesetztes Gebäude über ihnen einstürzte. Insgesamt sollen bei den zweitägigen Unruhen mehr als 90 Menschen ums Leben gekommen sein. Bürgermeister Rajoelina rief daraufhin zu einem zweitägigen Generalstreik auf, der Antananarivo in eine "tote Stadt" verwandeln sollte. Tatsächlich kam das Geschäftsleben in der Hauptstadt am Mittwoch und Donnerstag praktisch zum Erliegen.

Rajoelina werden Ambitionen auf das höchste Amt im Staat nachgesagt. Auch Präsident Ravalomanana war einst Bürgermeister der Hauptstadt und vermochte es zugleich, sich zum Chef eines ganzen Geschäftsimperiums hochzuarbeiten. Nachdem er den Inselstaat 2002 unter seine Kontrolle brachte, liberalisierte er die madagassische Wirtschaft und lockte ausländische Investoren.

Kritiker warfen ihm vor, einen der ärmsten Staaten der Welt wie ein Unternehmen zu führen und sich persönlich zu bereichern. Ravalomanana holte Erdölexplorationsfirmen ins Land, die vor der Küste tatsächlich fündig wurden: Ölreserven in Höhe von mehreren Milliarden Fass soll Madagaskar nun besitzen. Für heftige Proteste sorgte jedoch der Plan des südkoreanischen Daewoo-Konzerns, im Westen Madagaskars auf einer Fläche von über einer Million Hektar Nahrungsmittel für den Export nach Südkorea anzubauen. Für die 99-jährige Pacht verlangte die Regierung nicht einmal Geld. Die Inselbevölkerung würde ja in Form von Arbeitsplätzen und Exportsteuern profitieren, hieß es.

Beobachter halten Ravalomanana zu Gute, über einen hervorragenden Entwicklungsplan für Madagaskar zu verfügen, der für ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum von zuletzt über sechs Prozent sorgte. Doch an der Not der Bevölkerung, von der rund 70 Prozent unter der Armutsgrenze lebt, änderte das bislang nichts. Dass Rajoelina aus der Krise als Gewinner und neuer Staatschef hervorgehen wird, ist unwahrscheinlich. Er ist erst 34, laut Verfassung aber muss der Präsident mindestens 40 Jahre alt sein.

Autor:  JOHANNES DIETERICH
Datum:  30 | 1 | 2009
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