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Manager/Juden-Vergleich: Ifo-Chef entschuldigt sich

Hans-Werner Sinn hat sich für seinen umstrittenen Vergleich von Bankmanagern mit verfolgten Juden entschuldigt.

Ifo-Chef Sinn
Ifo-Chef Sinn
Foto: ap

München. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn hat sich für seinen umstrittenen Vergleich von Bankmanagern mit verfolgten Juden entschuldigt. "Ich habe das Schicksal der Juden nach 1933 in keiner Weise mit der heutigen Situation der Manager vergleichen wollen. Ein solcher Vergleich wäre absurd", schrieb Sinn in einem in München veröffentlichten offen Brief an die Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch.

Die tiefe persönliche Freundschaft "mit vielen jüdischen Kollegen auf dieser Welt und meine Scham und mein Entsetzen gegenüber dem, was den Juden von Deutschen angetan wurde, haben mein Leben geprägt. Sie sind unveränderbar. Ich bitte die jüdische Gemeinde um Entschuldigung und nehme den Vergleich zurück", erklärte Sinn weiter.

Professor mit grauem Bart und Hang zu klaren Worten

Vor klaren Worten ist Hans-Werner Sinn noch nie zurückgeschreckt. Während andere Volkswirte mit konjunkturellen Daten und Analysen hantieren, wählt der Chef des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung am liebsten Bilder und Vergleiche, um den Menschen wirtschaftliche Zusammenhänge klar zu machen.

Währungsprognosen verglich der 60-Jährige einmal mit Würstchenrezepten, nannte den Abschwung so sicher wie das Amen in der Kirche oder warf den Deutschen vor, mehr Geld für Bananen auszugeben als für Aktien. In zahlreichen Talkshows war der Professor mit dem grauen Bart wegen seiner klare Sprache ein gern gesehener Gast.

Mit einem Vergleich der aktuellen Managerkritik mit der Judenverfolgung ging Sinn aber eindeutig zu weit. Nach massiver Kritik entschuldigte er sich am Montag und nahm die Äußerung zurück. Trotz dieser Entschuldigung hat Sinn seinen Ruf aber wohl ramponiert. Bislang galt er als einer der angesehensten Ökonomen in Deutschland.

Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Auch in der Bundesregierung wurden seine Empfehlungen gehört.

Sinn wirbt dort seit Jahren für den Umbau des Arbeitsmarktes mit einem staatlich gesicherten Mindesteinkommen für Bedürftige, statt die Arbeitgeber mit Mindestlöhnen in die Pflicht zu nehmen.

Auch die Diskussion über eine Begrenzung von Managergehältern ärgerte ihn seit Monaten. Mehrmals nahm er die Manager in Schutz. "Sie haben das getan, was die Aktionäre wollten, nämlich hohe Risiken eingehen um mehr Geld zu verdienen", sagte er vor zwei Wochen.

Am Wochenende legte er im Berliner "Tagesspiegel" nochmal nach. "In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken." In der Weltwirtschaftskrise von 1929 habe es in Deutschland die Juden getroffen, heute seien es die Manager. Der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie Vertreter von Kirchen und Parteien konnten diese Aussagen kaum fassen. Die Bundesregierung forderte Sinn zur Klarstellung auf, der DGB in Bayern verlangte seinen Rücktritt.

Der Vater von drei Kindern steht seit Februar 1999 an der Spitze des ifo-Instituts. Unter seiner Leitung gelang es dem damals weitgehend unbedeutenden und angeschlagenen Institut, wieder wissenschaftliche Reputation zu erlangen. Der jeden Monat vom ifo- Institut veröffentlichte Geschäftsklimaindex gilt inzwischen als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Für sein Buch "Ist Deutschland noch zu retten" wurde Sinn vor vier Jahren mit dem Wirtschaftsbuchpreis ausgezeichnet.

Geboren wurde Sinn am 7. März 1948 im westfälischen Brake. Nach dem Studium der Volkswirtschaften in Münster promovierte er 1978 an der Universität Mannheim, wo er fünf Jahre später nach einem Aufenthalt in den USA zum Professor wurde. Danach wechselte er an die Universität München, wo er drei Jahre lang Dekan der Volkswirtschaftlichen Fakultät war.

Seit 1989 ist Sinn zudem Mitglied des wissenschaftlichen Beirats im Bundeswirtschaftsministerium. Nach seinem Entschuldigungsbrief an die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, wird er die Wogen nun auch in Berlin schnell wieder glätten müssen. Schließlich wird das ifo-Institut zu einem Großteil aus öffentlichen Geldern finanziert. (dpa)

Datum:  27 | 10 | 2008
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