Frankfurt/Main. "Der Teufel ist ein Eichhörnchen", sagt der Richter zum Abschied. Soll wohl heißen: Manchmal bringen kleine Dinge die seltsamsten Kettenreaktionen in Gang, dass man sich nur so die Augen reibt.
Oder auch: Manchmal hat der Weltgeist einen Clown gefrühstückt. Zum Beispiel, wenn Kurierfahrer absichtlich zwei Pakete vertauschen - eins mit Keksen und eins mit Kreditkartendaten. Und das mit den Daten dann an eine Zeitung geht.
Aber der Reihe nach. Die zwei Männer, die im Dezember 2008 eine von zwei Landeskriminalämtern gebildete Sonderkommission aus 25 Beamten tagelang beschäftigten, sitzen hibbelig wie Achtjährige auf der Anklagebank im Frankfurter Amtsgericht.
Stefan D. und Kiza H., 36 und 27 Jahre alt, wird Diebstahl, Urkundenfälschung und Verstoß gegen das Postgeheimnis zur Last gelegt. Die zwei Kurierfahrer sind aus Versehen so berühmt geworden, dass sogar das Fernsehen da ist: als Protagonisten eines der vermeintlich größten Datenskandale der vergangenen Jahre.
Dabei hatten sie bloß Hunger gehabt - und sich über ein Päckchen mit Weihnachtsplätzchen hergemacht, die eigentlich der damalige FR-Chefredakteur Uwe Vorkötter hätte essen sollen.
Das hätte nie jemand gemerkt, nur: Sie hatten es für einen tollen Trick gehalten, die FR-Adresse auf eine scheinbar x-beliebige andere Pappschachtel zu kleben.
Statt "hochwertige Butterspekulatius, Dessert-Makronen und Zimtschokolade", wie es gut recherchiert in der Anklage der Staatsanwaltschaft heißt, packte Vorkötter Mikrofiches mit den Daten von 130.000 Kunden der Landesbank Berlin aus.
Stefan D. trägt Oberlippenbart, Igelschnitt und ein Bayern-München-T-Shirt mit Riss im Ärmel. Kiza H. hat die Haare komisch zurück gegelt. Keiner hat einen Verteidiger dabei.
Das, was viele lustig fanden, ist für sie traurig. Beide sind jetzt arbeitslos. D. lebt nach eigenem Bekunden allein "vom Kindergeld meiner Kinder". Wie kann man so doof sein? Die Frage steht die ganze Verhandlung lang im Raum, ohne dass sie jemand direkt ausspricht. Ja, wie nur? Richtige Antworten darauf geben D. und K. nicht.
Lieber Currywurst
Ja, sie waren es. Ja, es tue ihnen leid, und ja, sie hätten großen, großen Hunger gehabt. Ja, sie seien sich schlau vorgekommen, und nein, es sei ihnen nicht klargewesen, dass wohl gar nichts passiert wäre, wenn sie das leere Paket in den Müll geschmissen und die Ahnungslosen gespielt hätten.
Kekse für 13,90 Euro klauen: Das ist laut Strafgesetzbuch Diebstahl geringwertiger Sachen. Schlimmer ist die Urkundenfälschung. "Sie hatten eine Vertrauensstellung", sagt der Richter. Nicht nur Blödheit wirft er H. und D. vor - sondern kriminelle Energie.
Der vorbestrafte D. muss 960 Euro, H. 720 Euro Strafe zahlen. "Nächstes Mal doch lieber an ner Currywurstbude halten, ne?" ruft der Richter den zweien hinterher.