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Neue Energien in Frankfurt: Windräder auf dem Rücken

Der Anlagenbauer Renertec will am Rande der Stadt vier Windräder errichten. Widerstand formiert sich dagegen zwischen Bergen-Enkheim und Maintal. Von Danijel Majic

Neue alte Energie: Windradanlagen.
Neue alte Energie: Windradanlagen.
Foto: FR/Oeser

Für Wirbel haben sie schon gesorgt, obwohl sich noch kein einziges Rotorblatt gedreht hat. Wo immer Windkraftanlagen errichtet werden, sind hitzige Diskussionen programmiert. Genau diese stehen dem Frankfurter Osten bald ins Haus. Denn direkt an der Gemarkungsgrenze zwischen Bergen-Enkheim und Maintal planen die Anlagenbauer der hessischen Renertec GmbH die Errichtung von vier Windkraftanlagen - den ersten auf Frankfurter Gebiet.

Die 135 Meter hohen Türme sollen auf dem Berger Rücken entstehen. Der Höhenzug, der sich von Berkersheim bis nach Bischofsheim erstreckt, ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Unweit des Geländes, auf dem der Windpark entstehen soll, verläuft zudem die historische Hohe Straße, die zu einem durchgängigen Fuß- und Radweg ausgebaut wurde und zum Regionalpark Rhein-Main gehört.

Vorrangflächen & Vorgaben

Vorrangflächen für die Aufstellung von Windkraftanlagen waren ursprünglich im Entwurf des regionalen Flächennutzungsplans vorgesehen. Innerhalb dieser Flächen hätten Windräder Priorität genossen, außerhalb hätten keine Anlagen gebaut werden dürfen.

In den 75 Kommunen, für die der Flächennutzungsplan Gültigkeit gehabt hätte, waren ursprünglich 66 solcher Vorrangflächen geplant. Auf Betreiben der CDU-FDP-Mehrheit im Planungs-verband Ballungsraum Rhein-Main wurde ihre Zahl dann aber auf acht zusammengestrichen.

Die verbliebenen Areale wurden im November 2009 aus dem Flächennutzungsplan gestrichen, als sich abzeichnete, dass die Festlegung auf eine so geringe Zahl von Vorrangflächen, einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten würde. Im Ergebnis dürfen Windkraftanlagen nun überall dort gebaut werden, wo bau- oder umweltrechtliche Vorschriften diesen Anlagen nicht entgegenstehen.

Zu diesen Vorschriften zählen unter anderem die Bestimmungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) sowie die Richtwerte der TA Lärm. Weiterhin muss eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden.

Auch am Berger Rücken war eine solche Vorrangfläche vorgesehen. Auf dem Gelände sollen nach den Plänen der Firma Renertec nunmehr vier Windräder mit einer Höhe von 135 Metern entstehen. (dmj)

"Die Anlagen sollen an einer exponierten Stelle errichtet werden", erklärt Ralf Sachtleber, erster Stadtrat in Maintal, "wir befürchten dadurch eine Beeinträchtigung des Landschaftsbilds." Bereits 2005 sprach sich daher eine Mehrheit der Maintaler Stadtverordneten gegen Vorrangflächen für Windkraftanlagen auf Maintaler Gebiet aus.

Gegenwind ist man bei der Renertec GmbH gewohnt. "Das ist ein sehr emotionales und politisch aufgeladenes Thema", sagt Geschäftsführer Christoph Eckert. Trotzdem möchte Renertec rund 13 Millionen Euro in den Bau der Anlagen am Berger Rücken investieren. Das Genehmigungsverfahren wurde bereits 2008 eingeleitet.

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Gut geeigneter Standort

Untersuchungen hätten gezeigt, dass der jetzige Standort geeignet sei, betont Eckert. An die fünf Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr könne eine einzelne Anlage liefern - genug für bis zu 5000 Haushalte. Durch den Einsatz sogenannter Vielpolgeneratoren, die ein Getriebe unnötig machen, soll die Lärmbelästigung so gering wie möglich gehalten werden, auch wenn die Anlagen weit abseits jedweder Wohnbebauung entstehen. "Wir legen großen Wert auf Konsens mit den Gemeinden", so Eckert.

Den zu finden dürfte allerdings schwierig werden. Denn auch in Bergen-Enkheim haben die Windkraftanlagen ihre Gegner. Schon im Rahmen der Diskussion um die Vorrangflächen im regionalen Flächennutzungsplan hatte etwa die CDU im Stadtteil gegen diese votiert. Als Hauptargument diente auch hier der Erhalt des Landschaftsbild. Allerdings haben die Anlagenbauer im Bergen-Enkheimer Ortsvorsteher Helmut Ulshöfer (Grüne) auch einen Verbündeten im 16er. "Wir Grünen glauben, dass die ökologischen Vorteile die Nachteile überwiegen." Denjenigen, die eine "Verschandelung" der Landschaft befürchten, empfiehlt Ulshöfer einen Spaziergang entlang der Hohen Straße. "Über die jahrzehntealten Strommasten regt sich niemand auf, aber vier Windräder sind auf einmal ein Schock für die Kulturlandschaft."

Kaum Rechtsbedenken

Rechtlich gesehen steht dem Projekt eines Windparks am Berger Rücken nur noch wenig entgegen. Seit die Vorrangflächen aus dem Entwurf zum regionalen Flächennutzungsplan ausgeklammert wurden, dürfen Windkraftanlagen überall dort gebaut werden, wo Bau- und Umweltrecht dem nicht entgegenstehen.

Ob dies am Berger Rücken der Fall ist, müssen Gutachten unter anderem über die Beeinträchtigung der Flora und Fauna klären. Bislang liegen diese noch nicht beim zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt vor. "Es gibt noch eine Reihe von Kriterien, die geprüft werden müssen", gibt Christoph Eckert zu. Mit einem Baubeginn sei daher nicht vor 2012 zu rechnen.

Autor:  Danijel Majic
Datum:  18 | 2 | 2010
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