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Österreich: Der Staat und das Mädchen

In Österreich kennt jeder ihren Namen. Die 17-jährige Arigona Zogaj aus dem Kosovo wurde zur Heldin erhoben, dann von Politikern verhöhnt - und schließlich vor die Tür gesetzt. Von Norbert Mappes-Niediek

Arigona Zogaj, stehend, wird von ihren Schulkameraden mit Blumen begrüßt. (Archivbild vom 16.10.2007)
Arigona Zogaj, stehend, wird von ihren Schulkameraden mit Blumen begrüßt. (Archivbild vom 16.10.2007)
Foto: dpa

In Österreich kennt jeder ihren Namen - keine Schulklasse, kein Arbeitsplatz, wo ihr Schicksal nicht diskutiert worden wäre. Zur Heldin erhoben, dann von führenden Politikern verhöhnt, schließlich vor die Tür gejagt: Was die 17-jährige Arigona Zogaj in den letzten zwei Jahren erlebt hat, reicht für ein ganzes Leben.

Zehn Jahre alt war das Mädchen aus dem Kosovo, als der Vater sie mit der Mutter und ihren vier Geschwistern zu sich nach Frankenburg in Oberösterreich holte. Der Vater ging arbeiten, die Kinder zur Schule. Nur ihr Aufenthaltsstatus wurde nie geregelt. Ihr Vater hatte politisches Asyl beantragt - offensichtlich unbegründet, denn der albanischen Familie drohte zwei Jahre nach dem Krieg im Kosovo von niemandem Verfolgung. Der Antrag wurde abgelehnt, der Fall ging in die Berufung; wie üblich zog sich das Verfahren über Jahre hin. Im Herbst 2007 drohte der Familie endgültig die Abschiebung. Als eines Morgens die Polizei klingelte, schlich Arigona, damals 15, aus dem Haus. Lebend lasse sie sich nicht abschieben, schrieb sie in einem Brief.

Ressentiments gegen "Ausländer", besonders gegen "Asylanten", sind in Österreich seit zwanzig Jahren der Renner in jedem Wahlkampf. Die rechtspopulistischen Parteien, die landesweit bis zu 27 Prozent bekommen, punkten mit dunkelhäutigen "Drogendealern" auf ihren Plakaten, verlangen den Ausschluss von Migranten aus der Sozialversicherung oder auch getrennte Schulklassen für "Neger- und Türkenkinder". Und Sozial- und Christdemokraten haben immer wieder das Asyl- und das Fremdenrecht verschärft - meistens mit der Begründung, man müsse "die Sorgen der Bürger ernst nehmen".

Aber als die 15-jährige Arigona aus ihrem Versteck per Video verkündete, sie werde sich "lieber umbringen", als nach "da unten" zu gehen, änderte sich etwas. Die Bilder und die wenigen Sätze brachten die Stimmung kurzzeitig zum Kippen. Das Bild des hockenden Mädchens, wie es mit rauem oberösterreichischem Akzent und mit brechender Stimme seine einfachen Nöte schilderte, rührte selbst die fremdenfeindliche Kronen-Zeitung. Schließlich durfte Arigona per Gnadenerlass wenigstens ihre Schule beenden.

Aber nun setzt Innenministerin Maria Fekter auf Härte. Hier der Staat, dort das Mädchen, das ihn "erpressen" wolle - so sehen Regierung und große Teile der Öffentlichkeit heute den Fall. Jetzt soll Arigona Zogaj endgültig abgeschoben werden.

Autor:  NORBERT MAPPES-NIEDIEK
Datum:  27 | 11 | 2009
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