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Offenbach: DNA-Test für Flüchtlinge

Eine burmesische Familie musste Speichelproben abgeben, damit sie in Offenbach bleiben darf. 800 Euro kostet solch ein Test üblicherweise. Kritiker monieren, er würde öfter verlangt als nötig. Von Viktor Funk

Die Familie Tun floh aus Burma nach Offenbach. Hier glaubte ihnen die Ausländerbehörde nicht, dass sie eine Familie sind.
Die Familie Tun floh aus Burma nach Offenbach. Hier glaubte ihnen die Ausländerbehörde nicht, dass sie eine Familie sind.
Foto: Alex Kraus

Akary Tun konnte sich den Scherz nicht verkneifen: Die 19-jährige Burmesin aus Offenbach hielt den Brief mit den Ergebnissen eines DNA-Test von sich, ihrer Schwester, Vater und Mutter in ihren Händen, sah die Mutter an und sagte: "Die Tests sind negativ, wir sind keine Familie."

Ihre Mutter erschrak furchtbar - denn ein negativer Verwandtschaftstest hätte bedeutet, dass sie Deutschland verlassen müssen. Nun haben sie es schwarz auf weiß: positiv.

DNA-Test

Der DNA-Test bei Migranten war ursprünglich nach einer Vorgabe durch die Europäische Union als Hilfe für die Betroffenen gedacht: Wenn sie auf der Flucht ihre Dokumente verlieren oder die EU-Länder, in die sie fliehen, die Dokumente aus ihren Ländern nicht anerkennen, können sie mit einem Gentest ihre Verwandtschaft belegen.

Erste Tests gab es in Deutschland bereits im Jahr 1997: Damals kamen viele Kurden als Flüchtlinge; es kam der Verdacht auf, dass oft nicht nur enge Familienmitglieder einreisten oder nachzogen, sondern auch weit entfernte Verwandte.

Heute lassen Behörden besonders oft Menschen aus afrikanischen Staaten, Burma und Afghanistan einen DNA-Test machen, um eine Verwandtschaft zu belegen. Kritiker sagen, die Tests würden öfter als nötig verlangt und belasteten die Betroffenen vor allem finanziell.

Seit elf Monaten leben sie in Offenbach, flohen aus der Nähe der burmesischen Hauptstadt hierher. Der Mann lebt sei sechs Jahren hier. Und kämpfte eine ganze Weile mit der Ausländerbehörde in Offenbach, weil sie seine Familie nicht einreisen lassen wollte.

Die Papiere hätten nicht gestimmt, es habe Fehler in der Heiratsurkunde gegeben, Fotografien und Geldüberweisungsbelege hätten als Beweise für Familienbande nicht gereicht, sagte der Leiter der Ausländerbehörde in Offenbach, Norbert Euler. Vor Gericht ließ er sich schließlich auf ein Kompromiss ein: Die Frau und die Töchter dürfen einreisen, müssen hier dann aber einen Verwandtschaftstest machen.

Etwa 800 Euro kostete der - viel Geld für den Vater, der die Familie allein durchbringt. Im Dezember ließen sich die vier Speichelproben entnehmen, die von einem Labor in Mainz untersucht wurden. Nun kam die Antwort.

Akary sagt, es sei so eigenartig gewesen, bestätigt zu bekommen, was sie sowieso wussten, dass sie ihre Mutter einfach auf den Arm nehmen musste. "Meine Mutter war so irritiert, als ich ‚negativ' sagte, dass sie gleich einen neuen Test machen wollte", berichtet die 19-Jährige.

Nicht der erste Fall

Die Tuns sind nicht die erste burmesische Familie aus Offenbach, die einen DNA-Nachweis vorlegen muss, um hierbleiben zu können. Burmas Urkundenwesen ist so schlecht, dass die deutsche Botschaft vor Ort die Heirats- oder Geburtsurkunden sei Mai 2005 nicht mehr anerkennt. Die Ausländerbehörden richten sich danach, verweigern ihrerseits die Zustimmung zu den Papieren und lehnen die Einreiseanträge ab. Die einzige Möglichkeit, die vielen Familien bleibt, ist der DNA-Test.

Doch was für sie als sicheres Mittel erscheint, halten seine Kritiker eher für ein Werkzeug, Ausländern möglichst lange eine Einreise zu verweigern. Schließlich ist der Test nicht freiwillig. Ausländer haben gegenüber den Behörden eine Mitwirkungspflicht. Wenn ein Sachbearbeiter den Test vorschlägt, kann sich ihm niemand entziehen - oder nur um den Preis, dass die Familie nicht nach Deutschland gelassen wird.

Andreas Cochlovius, Anwalt der Familie Tun und Vertreter vieler anderer Flüchtlinge gegen die Ausländerbehörden in Hessen, hat den Verdacht, dass der Test öfter verlangt werde als nötig. Seiner Meinung nach hätte dieser Test der Familie Tun erspart werden müssen. Der Vater hätte genügend Beweise für die Verwandtschaft vorgelegt. "Und dann die Kosten für den Test - das war zu viel für sie", sagt der Anwalt. Die Flüchtlingsinitiative Pro Asyl übernahm ausnahmsweise die Gebühren. Pro Asyl sieht in dem DNA-Test für Ausländerfamilien gar ein Drohmittel.

Die Familie Tun soll nach Aussage des Leiters der Offenbacher Ausländerbehörde demnächst ihre Aufenthaltserlaubnis erhalten. Cochlovius führt aber bereits einen neuen Kampf gegen Eulers Behörde: "Wieder ein Mann aus Burma, der seine Familie herholen will", sagt der Anwalt. Diesmal hätte er sogar das zuständige Gericht in Berlin fast überzeugen können, dass ein DNA-Test überflüssig sei, da zu viele Fakten für die richtigen Aussagen des Mannes sprächen. Eine Vertreterin des Auswärtigen Amtes, gegen den Cochlovius wegen der Zuständigkeit klagt, und der Richter hätten dem geglaubt, sagt der Anwalt.

Doch für das Gericht ist auch die Meinung der Ausländerbehörde in Offenbach wichtig. Euler hatte jedoch keinen Vertreter zur Verhandlung geschickt.

Autor:  VIKTOR FUNK
Datum:  9 | 3 | 2009
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