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16. August 2008

Olmert-Nachfolge: Warum ein Premier Mofas ein großer Schaden für Israel wäre

 Von Akiva Eldar
Schaul Mofas hat eine lange miltärische und politische Karriere hinter sich. Er will sie noch nicht beenden.  Foto: Getty

Der Verkehrsminister will Ministerpräsident Olmert beerben - von allen mittelmäßigen Bewerbern für das Amt wäre er der Schlimmste.

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Der Autor

Akiva Eldar ist Leitartikler und Kolumnist der israelischen Tageszeitung Haaretz, an der das Unternehmen M. DuMont Schauberg beteiligt ist. Eldar war deren Büroleiter von 1993 bis 1996. Das Buch "Die Herren des Landes - Israel und die Siedlerbewegung seit 1967" schrieb er zusammen mit Idith Zertal.

Ein hochrangiger israelischer Staatsbeamter sagte mir einmal, dass unsere wahre Geheimwaffe nicht die Atombombe sei, die sich ausländischen Quellen zufolge in Dimona befindet. Eines Tages werden der Iran und vielleicht Ägypten und Syrien ebenfalls Atomwaffen haben. Nein, Israels entscheidender Vorteil, so jener Beamte, bestehe darin, dass im Nahen Osten die weit verbreitete Meinung herrsche, die israelischen Juden seien so überaus intelligent. Verkehrsminister Mofas straft diese Legende allerdings Lügen.

Und wenn Mofas im September den Kampf um die Nachfolge Olmerts gewinnt, wird das auch den Arabern klar werden. Die Tatsache, dass Ehud Barak und seine Arbeitspartei Mofas als Ministerpräsidenten sehen wollen, würde den Nachbarstaaten vor Augen führen, wie weit der kulturelle Verfall Israels fortgeschritten ist.

Die Vorfälle von Korruption in der Regierung - besonders im Zuge der Ermittlungen gegen Ministerpräsident Ehud Olmert, den ehemaligen Staatspräsidenten Mosche Katsav und den ehemaligen Finanzminister Avraham Hirschson, der in Schmach und Schande zurücktreten musste - haben die Messlatte für den Antritt einer Führungsposition in diesem Land niedriger gelegt. Es reicht aus, dass Schaul Mofas nicht genug Leichen im Keller hat, die einen minderbemittelten Politiker wie ihn, der keine wirkliche Strategie in petto hat, daran hindern könnten, der Spitzenkandidat für die Führungsposition der herrschenden Partei zu werden.

Doch wer ist dieser Schaul Mofas eigentlich, der so gern Ministerpräsident wäre? Er wurde im Iran geboren und emigrierte als Neunjähriger nach Israel. Sein Vater, der im Iran Schuldirektor gewesen war, bekam keine vergleichbare Stellung und musste seinen Sohn auf ein landwirtschaftliches Schulinternat schicken, wo die meisten Schüler aus gut situierten Familien kamen. Mofas sagt, er sei als Jugendlicher sehr ehrgeizig gewesen. "Ich wollte beweisen, dass ich den anderen Kindern in nichts nachstand", erinnert sich Mofas in einem Interview.

In seiner frühen Armeezeit jedoch zeigte sich, dass Mofas seinen Kameraden in einigen Dingen doch "nachstand". Er fiel drei Mal durch die Offiziersprüfung und wurde schließlich nur angenommen, weil seine Einheit an der Zersprengung einer Terroristenzelle beteiligt war.

Als Offizier kämpfte er 1973 im Jom-Kippur-Krieg, nahm 1977 an der Befreiungsoperation in Entebbe teil und befehligte 1982 im Libanonkrieg die Infanteriebrigade. 1988 wurde er zum Brigadegeneral befördert, befehligte 1993 die Streitkräfte im Westjordanland, wurde 1994 Generalmajor und führte die Truppen im Süden Israels. 1997 wurde er zum stellvertretenden Generalstabschef ernannt und - zur allgemeinen Verwunderung - 1998 zum Generalstabschef.

Als Generalstabschef und später als Verteidigungsminister hat Mofas wie kein anderer dazu beigetragen, die Hamas aus den Trümmern der Palästinensischen Autonomiebehörde aufzubauen und gleichzeitig die Position der Siedler im Westjordanland zu festigen. Ende September 2000, als die Zweite Intifada gerade ihren Lauf zu nehmen begann, sah Mofas die Gelegenheit, eine alte Rechnung mit den Palästinensern zu begleichen, die noch zurückging auf die Intifada von 1987 und die gewaltsamen Konflikte, die 1996 der Eröffnung eines Tunnels entlang der Klagemauer in Jerusalem folgten, bei denen 16 israelische Soldaten getötet wurden. Mit der von einem mittelmäßigen Brigadier nicht anders zu erwartenden Kurzsichtigkeit vertrat Mofas die Ansicht, dass eine kollektive Bestrafung in Verbindung mit härteren Wirtschaftssanktionen die palästinensische Bevölkerung letztendlich bezwingen würde. Bei der israelischen Armee wird ein solches Vorgehen als "Schuster-Methode" bezeichnet - wenn ein 500-Kilo-Hammer das Problem nicht löst, nimmt man eben einen 1000-Kilo-Hammer.

Ende 2000, als Barak und Clinton versuchten, die beiden Seiten an einen Tisch zu bringen, erklärte der Generalstabschef Mofas - ein Offizier in Uniform -, die politische Einflussnahme gefährde die Staatssicherheit. Der Warnung von Experten, dass die Alternative zu einem Friedensabkommen in Terrorismus und einer Stärkung der palästinensischen Gegner des Friedensprozesses bestehe, schenkte er keine Beachtung. Mofas scheute auch keine Mühen, den von Ministerpräsident Barak und der Regierung in Beirut geplanten Abzug israelischer Truppen aus dem Libanon zu torpedieren. Dies führte zu dem einseitigen Rückzug im Sommer 2000, der wiederum zu der Übernahme des Süd-Libanon durch die vom Iran unterstützte Hisbollah führte. Der erzwungene Abzug aus dem Libanon überzeugte die Einwohner der palästinensischen Gebiete davon, dass die israelische Okkupation sich eher durch Gewaltakte im Stil von Hisbollah und Hamas abschütteln ließ als auf dem diplomatischen Weg der Fatah.

Professor Schlomo Ben Ami, der damals Außenminister der Barak-Regierung war, schrieb über den Beginn der Intifada, es seien "finstere Zeiten für die demokratische Staatsführung, bei der es eine Trennung geben muss zwischen der zivilen Befehlsgewalt und dem Militär, das hier aber einen Krieg nach eigenem Gutdünken führte". Er schrieb, dass ein anderer Minister, nämlich Amnon Lipkin-Shahak, während der Anfangsphase der Intifada sich für einen Waffenstillstand einsetzte. In dieser Zeit stellten sich sowohl Lipkin-Shahak als auch Ben Ami gegen Mofas.

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