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Olympia: Das erste Gold geht an China

... zumindest, wenn alles nach Plan läuft. Die Gastgeber der Spiele wollen offenbar nichts dem Zufall überlassen. Von Sebastian Gehrmann

Wer soll deutscher Fahnenträger werden?

Schützin Du Li kämpft um Gold - und gegen die Medienhysterie vor dem Wettkampf mit der historischen Dimension.
Schützin Du Li kämpft um Gold - und gegen die Medienhysterie vor dem Wettkampf mit der historischen Dimension.
Foto: rtr

Zu guter Letzt, als ihr Name dann auch noch die Hauptnachrichten des chinesischen Staatsfernsehens zierte, muss es der chinesischen Sportschützin Du Li allmählich gedämmert haben, dass, nun ja, der ganze Rummel um ihre Person der Sache womöglich doch schaden könnte. Denn die Sache ist die: Du Li holte vor vier Jahren in Athen Gold mit dem Luftgewehr. Und da dieser Wettbewerb auch die Spiele in Peking eröffnet, erwartet nun ein Volk von nicht weniger als 1,3 Milliarden Menschen, dass ihnen die zierliche Frau aus der Provinz Shandong gleich im ersten Wettbewerb die erste Goldmedaille beschert.

Man möge, bettelte Du Li dieser Tage angesichts der ausufernden Medienhysterie vor dem Wettkampf mit der historischen Dimension, doch bitte die Kirche im Dorf lassen. Allein, es blieb ein frommer Wunsch.

Seit Wochen bestimmt Du Li die Schlagzeilen der vorolympischen Berichterstattung und tut es nach wie vor. Anfangs sagte sie, die binnen kürzester Zeit zu einer kleinen Berühmtheit wurde, es sei "ein Privileg", ja eine Ehre, die Goldhoffnung des Gastgebers zu sein. Natürlich verspüre sie "den Druck" der Verantwortung, dass der zu einer Last werden könnte, spürt sie erst jetzt. Und auch im Kreise der Olympiaorganisatoren, so zumindest ist zu hören, mehren sich die Stimmen der Zweifler. Was, wenn Du Li, deren Erfolg außer Frage stand, am Ende nicht ganz oben auf dem Treppchen steht?

Nun hat der Gastgeber in der Schützin Zhao Yinghui, für die es in Athen nur zu Blech reichte, im Eröffnungswettbewerb noch ein zweites Eisen im Feuer, für den unwahrscheinlichen Fall, dass Du Li plötzlich die Nerven flattern. Nur: Zhao Yinghui ist nicht gerade ein Paradebeispiel für Sportler, die öffentlichem Druck mühelos trotzen. 2004 war sie das erklärte Goldmädchen der Chinesen, sie war die Du Li von Athen, und sie scheiterte.

Kein Wunder also, dass im Reich der Mitte längst über Plan C spekuliert wird. Der klingt zwar etwas abenteuerlich, unmöglich klingt er nicht. Um 10.30 Uhr Ortszeit soll das Finale der Schützen beginnen, 70 Minuten später das im Gewichtheben der Frauen in der Klasse bis 48 Kilo folgen, mit dabei Weltmeisterin Chen Xiexia. Sollte also vor halb elf feststehen, dass es nicht zu Gold im Schießen reichen könnte, würden die Veranstalter das Finale womöglich so lange hinauszögern, bis Chen Xiexia als neue Olympiasiegerin feststeht.

"Als der Terminplan entworfen wurde, haben wir bedacht, in welchem Wettbewerb die erste Goldmedaille vergeben wird", sagt ein ungenannter chinesischer Offizieller. "Wir bestimmen aber nicht, welcher Wettbewerb als erster beendet sein wird." Meldungen, wonach unter allen Umständen ein Chinese der erste Olympiasieger sein soll, bezeichnete der Mann als "Gerücht". Theoretisch möglich wäre es trotzdem, wie so vieles in diesem Land.

Autor:  Sebastian Gehrmann
Datum:  5 | 8 | 2008
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