Monatelang waren die Autos in Frankfurt unterwegs. Kleinwagen, die vor allem durch eines auffielen: die auf ihren Dächer montierten Kameras. Viele Passanten wussten mit den merkwürdigen Fahrzeugen zunächst nichts anzufangen. Doch nach und nach sprach sich rum, dass die Autos die ganze Stadt abgefahren haben, um Aufnahmen für Google Street View zu machen. Das Unternehmen will mit dem neuen Angebot Internet-Nutzern die Möglichkeit bieten, virtuell durch Städte zu schlendern. Mit ein paar Klicks läuft man am heimischen Computer durch Frankfurt. Die Ansicht der User ist - anders als beim bewährten Google Earth - der Blick von der Straße.
Yanki Pürsün ist kein Freund von Google Street View. Der Stadtverordnete der FDP-Fraktion hat in den vergangenen Wochen immer wieder den Magistrat mit seinen Bedenken beschäftigt. Dabei zitierte er Datenschützer, die in den Aufnahmen einen Eingriff in die Privatsphäre sehen. Schließlich tauchen auf den Bildern auch Menschen auf. Außerdem, setzen die Kritiker noch einen drauf, sei Google Street View eine Anleitung für Einbrecher, die mit diesem neuen Dienst ganze Straßenzüge ausspähen könnten.
Von der Stadtregierung wollte Pürsün daher wissen, welche Möglichkeiten die Kommunen hätten, "das vollständige Ausspähen" zu verhindern. Die Antwort fiel für ihn ernüchternd aus: Die Stadt sieht keine Chance, Google daran zu hindern, die Aufnahmen ins Netz zu stellen. Das Unternehmen arbeite nämlich eng mit den Datenschutzbeauftragten zusammen. Insofern sei davon auszugehen, dass die Privatsphäre der Bürger geschützt sei.
Gleichzeitig weist der Magistrat aber auch darauf hin, dass Menschen, die auf den Aufnahmen zu erkennen sind, bei Google beantragen können, auf den Bildern unkenntlich gemacht zu werden. Ebenso können Hauseigentümer und Autobesitzer protestieren, wenn ihnen die Aufnahmen ihrer Gebäude oder Fahrzeuge nicht gefallen.
Yanki Pürsün will sich mit dieser Antwort allerdings nicht zufrieden geben. Er fordert den Magistrat zum Handeln auf. Er soll das Antragsformular, mit dem sich Betroffene an Google wenden können, über das Internetangebot der Stadt zugänglich machen und dafür sorgen, dass es in allen Bürgerämtern ausliegt.
Indes: Wann Bilder aus Frankfurt bei Google Street View zu sehen sein werden, steht noch nicht fest. Bislang sind noch keine Aufnahmen aus Deutschland online. Google teilt nur mit, in welchen hessischen Städten demnächst gefilmt wird: in Darmstadt, Fulda, Gießen, Kassel, Marburg und Offenbach.