Wenn eine Ministerin antritt, will die Öffentlichkeit wissen, was sie vorhat, und bei Margarita Mbywangi war das Interesse noch größer, weil sie die erste Indianerin in der Geschichte Paraguays ist, die im Ministerrang die Indianer-Behörde Indi leiten wird. Aber das Programm der 46-Jährigen erregte bei ihrer Vorstellung denn doch weniger Aufmerksamkeit als das Persönliche.
"Eines Tages war meine Familie am Berg Canindeyú, und plötzlich überfielen uns die Weißen", so berichtete Mbywangi vom traumatischen Erlebnis ihrer Kindheit, "es fielen Schüsse, alle rannten durcheinander, nur wir Kinder konnten uns vor Schreck nicht rühren und sahen, wie die Eltern blutüberströmt hinfielen." Die Angreifer trieben die Kinder zusammen, die vierjährige Margarita wurde verkauft. 1966 war das - 122 Jahre nach Abschaffung der Sklaverei in Paraguay. Später wurde sie mehrmals weiterverkauft, wie ein Gegenstand.
Erst als sie 20 war, verließ sie ihre Sklavenhalter-Familie ("Ich nehme ihnen nichts übel, durch sie habe ich wenigstens Lesen und Schreiben gelernt") und schloss sich ihrem Volk an. Heute ist die Mutter von drei Kindern Oberhaupt der etwa tausend Aché-Indianer, eine der 17 indigenen Ethnien Paraguays, denen nach offiziellen Angaben rund 90 000 Menschen angehören. Die Indianer Paraguays rangieren in allen Sozialstatistiken an unterster Stelle: Sie haben kaum Schulbildung, sind arm, schlecht gekleidet, unterernährt.
Ein symbolischer Schritt also, wenn Fernando Lugo, der Ex-Bischof und neue Präsident Paraguays, jemand von ganz unten an die Spitze des Indianer-Instituts beruft. Allerdings waren es paradoxerweise nicht Weiße, die ihre Ernennung scharf kritisierten, sondern Indianer. Lugo habe die Indianer nicht konsultiert, heißt es, außerdem sei Mbywangi der Aufgabe nicht gewachsen, weil sie gerade erst die Oberschule nachhole.
"Vielleicht haben sie ja recht, dass ich das nicht kann, aber ich frage mich, welcher Indianer dieses Amt ausüben kann, wo wir doch das Indianer-Institut noch nie geleitet haben", antwortet sie ihren Kritikern. Im Hintergrund stehen Land-Konflikte mit anderen Ethnien; dass sie womöglich parteiisch sei, ist ein Verdacht, den die Geschichte des 1981 gegründeten, stets von Korruption heimgesuchten Instituts immerhin nahelegt.
Bauern statt Bettler - das sollten die Indianer sein, sagt sie. Sie will in deren Gemeinden Ackerbau und Viehzucht fördern, ebenso wie die Ausbildung von indianischen Lehrern und Krankenpflegern. Und auch wenn es nicht ganz in ihren Kompetenzbereich fällt, möchte sie "als Ministerin für die Bewahrung der Wälder kämpfen, denn für den Indianer ist der Wald die Mutter, das Leben, die Gegenwart und die Zukunft".