São Paulo. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich gegen den Vorwurf verwahrt, er bevorzuge auf seiner Auslandsreise seine Familie. Die "Unterstellungen" über eine angebliche Verquickung von privaten und dienstlichen Anliegen seien "haltlos", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.
Zwar habe Ralf Marohn den Minister tatsächlich auf seiner Fernostreise im Januar begleitet. Diese Mitreise sei aber allein auf der Grundlage der fachlichen Expertise erfolgt. Marohn genieße seit vielen Jahren einen hervorragenden Ruf als Asien-Experte. Er habe in dieser Funktion bereits mehrfach rheinland-pfälzische Spitzenpolitiker begleitet.
Laut Berliner Zeitung ist Marohn Mehrheitseigentümer und Geschäftsführer der Firma Far Eastern Fernost Beratungs- und Handels GmbH, an der auch Westerwelles Bruder Kai beteiligt ist. Ebenfalls beteiligt ist das Unternehmen Mountain Partners AG in der Schweiz. Inhaber von Mountain Partners ist wiederum Cornelius Boersch, der 160.000 Euro an die FDP gespendet hat und mit dem Außenminister und seinem Bruder befreundet sein soll.
"Da der Opposition die politischen Argumente ausgehen, versucht sie es jetzt mit persönlichen Attacken gegen mich und meine Familie", ließ der Außenminister verlauten. Nach der Besichtigung von Siemens flogen Westerwelle und sein Partner Michael Mronz zur Pinakothek von São Paulo.
Kurt Beck: Auswärtiges Amt sagt Unwahrheit
Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat die Behauptung des Auswärtigen Amtes zurückgewiesen, dass der Unternehmer Ralf Marohn vor Außenminister Guido Westerwelle (FDP) auch schon Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ins Ausland begleitet hat. "Das ist unwahr", erklärte ein Regierungssprecher in Mainz.
"Richtig ist, dass Ralf Marohn niemals Delegationsmitglied auf Reisen des Ministerpräsidenten gewesen ist." Er habe nur vor dem Jahr 2006 Auslandsreisen ehemaliger rheinland-pfälzischer Wirtschaftsminister und Wirtschaftsstaatssekretäre vorbereitet und begleitet. Vor 2006 war der FDP-Politiker Hans-Artur Bauckhage Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz. Er hatte 1998 seinen Parteikollegen, den heutigen Bundeswirtschaftminister Rainer Brüderle, abgelöst.