Wenn Oliver Braun auf die Tabellensituation in der Basketball-Bundesliga angesprochen wird, wählt der Braunschweiger Sportdirektor eindeutige Worte. "Absoluten Blödsinn" nennt Braun das Klassement. Mit fünf Siegen aus fünf Spielen haben die Niedersachsen einen Traumstart hingelegt. In der Tabelle ist davon nichts zu sehen: Wer dort die einzige Mannschaft in der Bundesliga ohne Niederlage sucht, wird jenseits der Playoff-Plätze fündig.
Verantwortlich dafür ist ein zu Saisonbeginn eingeführtes neues Wertungssystem. Gewonnene Spiele werden weiterhin mit zwei Punkten entlohnt. Im Unterschied zur alten Regel erhält aber auch der Verlierer einen Punkt. Keine Zähler gibt es nur, wenn das Spiel am Grünen Tisch verloren geht.
1. Artland Dragons 12:4 Punkte 2. Braunschweig 10:0 3. Ludwigsburg 10:4 4. Skyliners Frankfurt10:6 5. Mitteldeutscher BC 8:4 6. Oldenburg 8:4 7. Bonn 8:6 8. Trier 8:6 9. Bremerhaven 8:8 10. Göttingen 6:4 11. Alba Berlin 6:4 12. Düsseldorf 6:6 13. Bamberg 4:6 14. Tübingen 4:10 15. Hagen 4:10 16. Ulm 4:12 17. Paderborn 2:10 18. Gießen 0:14
1. Artland Dragons 14 Punkte 2. Skyliners Frankfurt 13 3. Ludwigsburg 12 4. Bremerhaven 12 5. Bonn 11 6. Trier 11 7. Mitteldeutscher BC 10 8. Ulm 10 9. Braunschweig 10 10. Oldenburg 10 11. Tübingen 9 12. Hagen 9 13. Düsseldorf 9 14. Göttingen 8 15. Alba Berlin 8 16. Bamberg 7 17. Gießen 7 18. Paderborn 7
Soweit die Theorie. In der Praxis ist das Tabellenbild in vielen Ligen verzerrt, weil es Spielverlegungen überhaupt nicht erfasst. In der BBL wirkt dieser Faktor extrem: Wegen Hallenzeitenmangel, Europapokal-Terminen und TV-Übertragungen sind nach acht Spieltagen 14 von 72 möglichen Spielen verlegt worden.
Mannschaften wie Ulm profitieren davon: Trotz eines Fehlstarts mit sechs Niederlagen aus acht Spielen ist Ulm punktgleich mit den bislang ungeschlagenen Braunschweigern - einfach, weil die Ulmer drei Spiele mehr ausgetragen haben. Fans und Manager kritisieren das System: Im Internet kursieren Petitionen gegen das Wertungssystem, das von Bundesliga bis zur Kreisklasse gilt.
Bundesliga-Manager legen den Finger in die Wunde. "Zum jetzigen Zeitpunkt verwirrt die Tabelle. Am Ende schadet das der Sportart", sagt Claudio di Padova, Geschäftsführer der Düsseldorf Giants. Auch BBL-Sprecher Dirk Kaiser räumt ein "momentan schieferes Tabellenbild als früher" ein. Dieses werde sich im Verlaufe der Spielzeit relativieren, wenn unterschiedliche Spielzahlen sich angleichen. Ähnlich argumentiert der Deutsche Basketball-Bund (DBB), der die Änderung in diesem Sommer auf Druck des Weltverbandes Fiba eingeführt hat.
Auf der anderen Seite räumt der DBB Fehler ein. "Wir haben was übersehen", sagt Michael Geisler. Der DBB-Vizepräsident meint damit eben jenes Problem der Spielausfälle. In der im Sommer beschlossenen Form stand nur die Abschlusstabelle im Blickpunkt. Geisler will in den nächsten Tagen den Kontakt zur BBL aufnehmen. Änderungen, noch in dieser Saison, seien möglich. Eine Rückkehr zum alten System schließt er aber aus: Der DBB ist an das Fiba-System gebunden. Allerdings erwägt der DBB, Teams besser zu platzieren, die mit weniger Spielen die gleiche Punktzahl erreichen. Braunschweig wäre dann aktuell zumindest Siebter.
Mitte Januar könnte das Chaos komplett sein. Dann naht das Hinrunden-Ende, das in dieser Saison erstmals einen sportlichen Wert hat: Die Mannschaften, die am 23. Januar die Plätze eins bis sechs belegen, sind für den reformierten BBL-Pokal qualifiziert. "Wenn dann eine Mannschaft aufgrund ausstehender Spiele nicht teilnehmen kann, wird es Diskussionen geben", prophezeit Di Padova. BBL-Sprecher Kaiser will das verhindern. Er kündigt eine harte Linie an: Im Dezember und Januar will die Liga Spielverlegungen nicht mehr akzeptieren.