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08. Dezember 2008

Rechtsstreit: Zwanziger droht mit Rücktritt

 Von JAN CHRISTIAN MÜLLER
Theo Zwanziger auf einer Pressekonferenz des DFB in Frankfurt am Main (08.12.2008).  Foto: getty

Im Fall einer Prozess-Niederlage im Rechtsstreit mit dem Sportjournalisten Jens Weinreich "werde ich meine persönliche Ehre nicht auf dem Altar eines Amtes opfern". Von Jan Christian Müller

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Weinreichs Blog-Beitrag

In einem Kommentar zu einem Beitrag auf direkter-freistoss.de schreibt Jens Weinreich am 25. Juli 2008.

"Ich habe Zwanziger gerade auf dem Kongress des DOSB erlebt, den sein Freund Thomas Bach ausrichtet, mit dem er und Blatter Anfang der Woche ja bei Schäuble wegen der lächerlichen 6+5-Regelung intervenierte. Ich darf noch anfügen, dass ich schon viele (zu viele) Auftritte von Sportfunktionären erlebt habe, aber dieser von Zwanziger war einer der schlimmsten in meiner nach unten offenen Peinlichkeitsskala. Er dreht nach der Kartellamtsentscheidung völlig durch. Er ist ein unglaublicher Demagoge.

Schuld an allen Problemen des Fußballs, des DFB im allgemeinen und der DFL im besonderen ist einzig und allein das Bosman-Urteil - das behauptete Zwanziger fast wörtlich mehrfach. Es ist das alte Lied, wenn er sagt: ,Die Spezifika des Sports hat man in der europäischen Entwicklung schlicht und einfach nicht gesehen und verschlafen.' Es ist das Lied derer, die die Kosten vergesellschaften und die Gewinne privatisieren. Derer, die nach Autonomie schreien, wenn es Vergehen von Funktionären zu vertuschen gilt, die aber immer dann nach Sonderregeln und Ausnahmegesetzen schreien, wenn ihr Milliarden- geschäft an ganz normalen Gesetzen und Gesetzmäßigkeiten gemessen wird. ,Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer', sagte er - und das war wenigstens mal ein ehrliches Wort."

Es sollte am Montag eine besinnliche Pressekonferenz mit dem DFB-Präsidenten nach einem recht gelungenen Fußballjahr werden. Heraus kam die spektakuläre Rücktrittsandrohung von Theo Zwanziger für den Fall, dass der 63-Jährige seinen Prozess gegen den Sportjournalisten Jens Weinreich (die FR berichtete ausführlich) Anfang kommenden Jahres verliert.

Zwanziger fühlt sich von dem Berliner Reporter wegen eines zunächst lediglich von etwa 5000 Lesern wahrgenommenen Blogeintrags im Juli im "Direkten Freistoß, dem Blog für Kommunikationsherrschaft im Fußball" (www.direkter-freistoss.de) "in meiner Person und meiner Arbeit diffamiert hoch fünf". Wenn Weinreichs Attacken (siehe Infobox), die der freie Journalist nach einem Auftritt des DFB-Chefs bei einem Kongress des Deutschen Olympischen Sportbundes in Berlin verfasst hatte, "verfassungsrechtlich zulässig" seien, "werde ich sehr ernsthaft erwägen, ob ich dieses schöne Amt weiterführe", so der Präsident.

Der Zwist war erst durch eine DFB-Pressemitteilung im November zu breiterer öffentlicher Aufmerksamkeit gelangt, unter anderem auch in der Frankfurter Rundschau, ehe andere Blätter ebenfalls berichteten.

Jurist Zwanziger, der seit Oktober 2004 - bis 2006 an der Seite von Gerhard Mayer-Vorfelder - an der Spitze des Verbandes steht, hatte am Montag erst einmal eine gute halbe Stunde lang vor Journalisten in der DFB-Zentrale die Errungenschaften des Verbandes im laufenden Jahr gewürdigt und seiner Besorgnis Ausdruck verliehen, dass auch der schwerreiche DFB mit seinen mehr als hundert Millionen Euro an liquiden Mitteln die Bankenkrise zu spüren bekomme.

Eine neue Bescheidenheit müsse Einkehr halten, sagte er, ehe er in einem persönlichen Schlusswort zum "Fall Weinreich" sagte: "Ich werde meine persönliche Ehre nicht auf dem Altar eines Amtes opfern." Die Pressefreiheit finde laut Verfassung "in der persönlichen Ehre ihre Grenzen".

Heute wird sich der DFB-Boss in Frankfurt am Main mit dem Berliner Rechtsanwalt Christian Schertz treffen, um das weitere Prozedere zu verabreden. Zwanziger rechnet Mitte Januar mit der Gerichtsverhandlung, entweder in der Nähe seines Heimatortes Altendiez in Koblenz oder in der Nähe von Weinreichs Wohnort Wandlitz in Berlin. Der ehemalige Verwaltungsrichter beim Abgabensenat des Oberverwaltungsgerichts Koblenz will "wesentliche Inhalte" der Klageschrift "selbst verfassen" und meint es mit dem Rücktritt offenbar ernst: "Wenn die Richter sagen: 'Herr Zwanziger, das müssen sie so hinnehmen', dann verliert dieses Amt für mich jegliche Faszination". Indes sei er sicher: "Ich werde diesen Prozess gewinnen."

Er werde vor Gericht das Wortprotokoll seiner von Weinreich kritisierten Aussagen vom DOSB-Kongress vorlegen. Es handele sich um eine "klassische Schmähkritik", so der aufgebrachte Präsident, der sich auch von Medienchef Harald Stenger nicht stoppen ließ: "Demnächst heißt es, ich sei ein Massenmörder, nur hat es keine Leichen gegeben."

"Nicht nachvollziehbar"

Seine Rücktrittsankündigung für den Fall der Niederlage vor Gericht, ergänzte Zwanziger auf FR-Nachfrage, habe "nichts mit einer Drohung oder einer Einschüchterung" zu tun, er sei überzeugt, dass der Richter unabhängig vom öffentlichen Scharmützel objektiv entscheiden werde. Der 43-jährige Weinreich, ehemaliger Sportchef der Berliner Zeitung, sagte auf dpa-Anfrage: "Ich kann die Aussage Zwanzigers nicht nachvollziehen."

Die zusehends intensivere Auseinandersetzung hat die Gerichte bereits beschäftigt. Sowohl das Berliner Landgericht (am 30. September) als auch das Kammergericht (am 10. Oktober) lehnten Einstweilige Verfügungen des DFB ab und bezeichneten die Aussagen Weinreichs als "zulässige Meinungsäußerung".

Der Journalist, der unter anderem auch für die Frankfurter Rundschau schreibt, wiederum hatte am 25. November eine Einstweilige Verfügung gegen eine DFB-Pressemitteilung erwirkt. Danach ist es dem DFB bei Androhung von Ordnungsgeld bis zu 250 000 Euro oder Untersuchungshaft untersagt, zu behaupten oder zu verbreiten, Weinreich habe Zwanziger "ohne Anlass" einen "unglaublichen Demagogen" genannt.

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