Vertreter von Kirche und Politik zollten Margot Käßmann Respekt für ihren Schritt, äußerten aber auch Bedauern. Der Rücktritt entspreche der Gradlinigkeit ihres Wesens und sei "vorbildlich", sagte Käßmanns Stellvertreter Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, der FR. Er sprach von einem "herben Verlust" für die Kirche.
Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Katrin Göring-Eckardt, sagte der FR, sie habe "mit ihrer Amtsführung sehr viele Menschen wieder für die Kirche begeistert". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm den Rücktritt der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann mit Respekt und Bedauern auf. "Ich habe die Zusammenarbeit mit Bischöfin Käßmann sehr geschätzt", erklärte Merkel. Politiker von Union, SPD, Grünen und Linken sprachen der Bischöfin ihre Anerkennung aus. Die katholische Bischofskonferenz bedauerte den Rücktritt.
Käßmann, die mit ihrem Wagen betrunken eine rote Ampel missachtet hatte, trat am Mittwoch von ihren Ämtern als EKD-Ratsvorsitzende und Bischöfin der Landeskirche Hannover zurück. Sie habe einen "schweren Fehler gemacht, den ich zutiefst bereue", sagte sie. Das Amt und ihre Autorität seien "beschädigt".
Ausdrücklich nahm sie Bezug auf die Debatte über ihre Kritik am Afghanistan-Einsatz: "Die harsche Kritik etwa an einem Predigtzitat wie ,Nichts ist gut in Afghanistan ist nur durchzuhalten, wenn persönliche Überzeugungskraft uneingeschränkt anerkannt wird." Am Morgen hatte der Rat der EKD Käßmann noch ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen. Neuer Ratsvorsitzender könnte Präses Schneider werden, der nun das Amt kommissarisch innehat. Er war schon bei der Wahl im vergangenen Oktober einer der Favoriten. Die Wahl ist für Herbst vorgesehen.