Darmstadt. Aus Protest gegen seine Rentenreform haben etwa 30 Demonstranten am Donnerstag die Abschiedsvorlesung des Darmstädter Professors Bert Rürup gesprengt. Als der ehemalige Vorsitzende der Wirtschaftsweisen im großen Hörsaal der Technischen Universität beginnen wollte, lärmten sie mit Trillerpfeifen, skandierten Parolen und hielten Transparente in die Höhe, bis die Veranstaltung nach etwa 20 Minuten abgesagt wurde. Ein Angebot der Universität zur Diskussion hatten die Demonstranten, die dem DGB und verschiedenen linken Gruppen angehörten, abgelehnt. Die Veranstaltung soll nun nachgeholt werden.
"Der Protest ist nicht angemessen, da ich hier als Professor reden wollte", sagte der 65 Jahre alte Rürup nach dem Abbruch. "Aber ich bin offensichtlich eine Person, die polarisiert." Er hätte angeboten, nach seinem Vortrag über seine Ansichten zu diskutieren.
Rürup ist in die Privatwirtschaft gewechselt und seit kurzem Chefökonom des Finanzdienstleisters AWD in Hannover. In Darmstadt lehrte er über 30 Jahre. Die Universität hatte zu der Abschiedsvorlesung eingeladen unter der Überschrift "Das Beste kommt zum Schluss".
Der Kanzler der Universität, Manfred Efinger, bedauerte den Abbruch. Die Abschiedsvorlesung werde nun zu einem späteren Zeitpunkt in geschlossener Gesellschaft nachgeholt. An einen Polizeieinsatz im Hörsaal sei nie gedacht gewesen. "Eine Hochschule ist ein offener Ort." Die anderen Gäste im nicht ganz gefüllten Audimax mit knapp 800 Plätzen waren eine Weile nach Beginn des Protestes aufgestanden. Sie versuchten noch, die Störer mit Applaus zur Aufgabe zu bewegen, scheiterten aber. Viele reagierten auf den Abbruch mit Kopfschütteln. (dpa)