Das Pendant zum Einbürgerungs-Fragebogen ist die Werbung für deutsche Kultur im Ausland mit Mitteln der Casting-Show: So hat sich das, ausgesprochen munter, der Musiker und Regisseur Dietmar Loeffler zusammengereimt. Zum dritten Mal hat er jetzt fürs Frankfurter Schauspiel einen Liederabend inszeniert: Schauspieler singen, er selbst sitzt am Klavier, und das Material Girl fürchtet sich kein bisschen vor dem Geist eines Dichterfürsten: "Zum Teufel mit Goethe!" heißt die anderthalbstündige Sause, und Showmaster Rupert "Bubi" Beltz und seine vier Kandidatinnen lassen sich danach nicht lange zu Zugaben bitten.
Den Chefinnensessel eines Goethe-Instituts gibt es zu gewinnen, es treten an: vier Engel für Johann Wolfgang. Anita Iselin macht als "Hygienefachfrau" und Monroe-Verschnitt das "Heideröslein" zum Bossa Nova. Susanne Buchenberger weigert sich als Gräfin und Unternehmerin ("biologische Edelhirse"), gleich zwei Klassiker - Goethe und Schubert - zu verhunzen, zupft dann aber wenigstens die Melodie auf der Gitarre. Sascha Maria Icks, Beruf "Krisenjournalistin", versucht sich an einem japanisch zarten Haiku-Röslein. Aber Sandra Bayrhammer - Hippie-Hebamme und Esoterikerin - schießt mit ihrem "Röslein bei den Heiden" (Melodie: "The lion sleeps tonight") dann doch den Knaben, äh, Löwen ab: Die erste Runde geht per Applausometer eindeutig an sie.
Sie sind keine Sängerinnen, die vier vom Schauspiel Frankfurt, aber sie halten sich gut, bei "These boots are made for walking" genauso wie bei Lennons "Imagine" oder dem Schubert/Goetheschen "Schweizer Lied". Und der Rest ist, wie so oft, Präsentation. Lustvolles, deftiges Spiel mit Klischees. Zu deren Vervollständigung natürlich gehört: der Showmaster. Der nicht anders sein kann als leicht schmierig und schnurrbärtig im Glitzerjackett. Stefko Hanushevsky lässt ihn felsenfest von seinem Charme überzeugt sein.
Bis die vier Engel für Johann Wolfgang rebellieren und beschließen, ihr eigenes Institut zu gründen: Genannt vielleicht Gertrude-Stein-Verein oder Annette-Droste-Hülfswerk. Denn: Sisters are doin' it for themselves.
Schauspiel Frankfurt: 7.,24. Sept., 8., 26. Okt. www.schauspielfrankfurt.de