Es wird wieder ungemütlich für Steuersünder mit geheimen Depots in Liechtenstein: Hunderte Deutsche müssen sich in den nächsten Monaten auf Besuch von der Steuerfahndung einstellen.
Nach der Affäre um Ex-Postchef Klaus Zumwinkel, der wie viele andere reiche Deutsche Schwarzgeld bei der LGT Treuhand deponiert hatte, ist es der zweite bundesweite Skandal um Liechtensteiner Geheimkonten. Diesmal müssen Kunden der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) zittern. Auch hier hatte ein Angestellter heimlich brisante interne Belege kopiert.
Seit April stehen vier Männer vor dem Rostocker Landgericht. Ihnen wird vorgeworfen, die Bank mit den insgesamt 2300 Kontodaten erpresst zu haben. Einen Teil der Belege haben sie der LLB bereits übergeben und dafür neun Millionen Euro kassiert. Wie die Angeklagten in den Besitz der Daten gelangt sind, ist unklar.
Auch über den Verbleib der restlichen Unterlagen war bislang nichts bekannt. Nicht nur die Rostocker Juristen hatten die immer wieder angekündigte Herausgabe mit Spannung erwartet. Am Freitag legten die Anwältinnen des Angeklagten Michael F. den überraschten Richtern eine Tüte mit einem Stapel kopierter Kontobelege vor.
Dies könnte sich strafmildernd für den Mandanten auswirken, sagte der Sprecher des Landgerichts. In den nächsten Wochen sollen die Daten geprüft und später den Steuerbehörden übergeben werden. Es handle sich um LLB-Belege für 1850 Konten von Deutschen, bestätigte Michael F.'s Anwältin Leonore Gottschalck-Solger der Frankfurter Rundschau.
Zum Vergleich: In der Zumwinkel-Affäre liegen der Bochumer Steuerfahnung 770 Belege vor. Wie hoch die Summe ist, auf die sich die deutschen Steuerbehörden freuen können, ist unklar - wenig ist es aber nicht: "Auf den Konten befinden sich überwiegend Millionenbeträge", sagte Gottschalck-Solger.
Die LLB lehnte eine Stellungnahme ab. Der Zumwinkel-Skandal hatte im Februar eine Debatte um Eliten, Moral und Steuergerechtigkeit ausgelöst.