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Selbstbewusster Auftritt in den USA: Der vorzeigbare Karl-Theodor

Karl-Theodor zu Guttenberg muss sich in Paris duzen lassen und parliert Englisch in Washington. Der Verteidigungsminister ist dabei, sich seinen Platz in der internationalen Politik zu erarbeiten. Von Markus Decker

Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg am Donnerstag im Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington.
Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg am Donnerstag im Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington.
Foto: Foto: dpa

Washington. Dieser Mann kann Englisch. Und wie! Vom Vertreter der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in Washington als "Trouble-Shooter" der deutschen Politik begrüßt, hält Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) im Center for Strategic and International Studies eine halbstündige Rede in der Landessprache - so fließend und fehlerfrei, als wolle er sich für das Amt des Außenministers bewerben. Auch die Fragen pariert der CSU-Politiker perfekt. Was Anzug, Krawatte, Manieren anlangt, finden die Deutschen ja ohnehin, dass der 37-Jährige vorzeigbar ist.

Guttenberg hat eine Tour absolviert, die es in sich hat: Paris, Washington, Halifax (Kanada) - in 60 Stunden. Er hat sich ein Bild gemacht und wünscht, dass andere sich ein Bild machen - von ihm. In Paris wird der Minister von seinem französischen Amtskollegen Hervé Morin begrüßt, mit brachialer Jovialität: Es habe schon ein deutscher Verteidigungsminister kommen müssen, um ihn vom Fußballgucken abzuhalten, poltert der Hausherr. Zu jener Stunde spielt Frankreich gegen Irland um das Ticket nach Südafrika - erfolgreich in der Verlängerung dank eines Handspiels.

Morin bietet dem jüngeren Guttenberg sogleich das Du an. Zu Angela (Merkel) und Nicolas (Sarkozy) geselle sich das Paar Karl-Theodor und Hervé. Guttenberg will an der Brust des Franzosen nicht ersticken und gibt zurück, man möge das Du bitte nicht als "Sozialdemokratisierung der Verteidigungspolitik" verstehen. Um die geht es danach: um die deutsch-französische Brigade, den Militärtransporter A400M, Ausbildungshilfe für somalische Soldaten unter dem Dach der EU. Morin betont, er könne sich "nicht vorstellen, dass eine derart große europäische Operation ohne Deutschland" stattfinde. Guttenberg weicht aus.

Ernst wird sein Kollege beim Thema Afghanistan, wo 3300 französische Soldaten stationiert sind. "Ein Teil unserer Sicherheit und der Stabilität in der Welt stehen in Afghanistan auf dem Spiel", sagt Morin. Er will weiter "Straßen, Schulen und Brücken bauen". Davon träumt in Deutschland kein Mensch mehr.

Am anderen Morgen bittet der Verteidigungsminister zum Hintergrundgespräch - im Airbus der Luftwaffe hoch über dem Atlantik. Guttenberg referiert im Stehen, die Journalisten dürfen sitzen. In Washington warten unter anderem Sicherheitsberater James Jones und Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain.

Und US-Verteidigungsminister Robert Gates - ein ganz anderes Kaliber als der clowneske Morin. Seit dem Amtsantritt des 66-Jährigen sind eineinhalbtausend GIs im Irak und in Afghanistan gestorben. Da scherzt man nicht. General Stanley McChrystal würde den 68000 Soldaten am Hindukusch gern weitere 44000 hinzufügen.

Gates bekennt nach Guttenbergs Visite, "dass wir alle Hilfe brauchen können". Der Gast erwidert, "Deutschland hat die Möglichkeit und durchaus auch das Selbstbewusstsein, seine eigenen Vorstellungen einzubringen". Das klingt nach Festlegung, ist aber keine. Sollen sich erst mal andere festlegen. Näheres wird man nach der Afghanistan-Konferenz Ende Januar in London erfahren.

Bei seiner Rede in Washington signalisiert Guttenberg den USA Treue und mahnt die Deutschen, sich an Auslandseinsätze zu gewöhnen. Doch allen, die genau wissen wollen, was er vorhat in Afghanistan und anderswo, denen erklärt der "Trouble-Shooter", dass er darauf nicht antworten werde. Nicht jetzt. Er tut das in feinstem Englisch.

Autor:  Markus Decker
Datum:  20 | 11 | 2009
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