Madrid. In Spanien haben sich Medienberichten zufolge elf Gemeinden um den Bau eines Atommülllagers auf ihrem Gebiet beworben. Die Orte, die sich bis zum Ende der Frist am Freitag als Standort beworben hätten, hätten allesamt weniger als 800 Einwohner, berichtete die Zeitung "El Periodico" am Samstag.
Das Interesse der Bewerber wurde unter anderem dadurch geweckt, dass die geplante Atommüllanlage rund hundert Arbeitsplätze schaffen soll. Außerdem soll die ausgewählte Gemeinde mehrere Millionen Euro als Fördergelder erhalten.
Die sechs spanischen Atomkraftwerke, die rund 20 Prozent des Strombedarfs im Land decken, lagern ihren Müll derzeit auf dem eigenen Gelände. Vergangenen Monat hatte die Regierung in Madrid jedoch die Suche nach einem Standort für ein Atommülllager eingeleitet. Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero hatte erklärt, er wolle den Standort für die Anlage im Einvernehmen bestimmen.
Die Organisation Umweltschützer in Aktion kritisierte das Bewerbungsverfahren als "Zirkus". Die meisten Orte, die Interesse anmeldeten, seien arm und hätten nur wenige Einwohner. Ihre Bürgermeister hätten sich an der Ausschreibung beteiligt, ohne die Risiken eines Atommülllagers zu kennen, erklärten die Umweltschützer. Die Bewerber-Gemeinden müssen auch mit Widerstand aus den Nachbarorten rechnen, die den gleichen Risiken eines Atommülllagers ausgesetzt wären, ohne materielle Vorteile von der Anlage zu haben.
Der Chef der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha, José Maria Barreda, kündigte seinerseits an, den Bau eines Atommülllagers in seiner Region mit allen Mitteln verhindern zu wollen. Auch die Regionalregierung von Katalonien kündigte Widerstand an. (afp)