Elf Millionen Deutsche haben bereits eine Zusatzpolice, um sich gegen hohe Eigenbeteiligungen beim Zahnarzt abzusichern. Doch viele Verträge erhalten von der Zeitschrift Finanztest nur das Urteil befriedigend oder ausreichend. Der Grund: Im Leistungsfall zahlen viele Versicherer weniger als der Kunde erwartetet. Zudem seien viele Verträge kompliziert und undurchsichtig.
Die Stiftung Warentest rät daher, den Leistungskatalog der Anbieter genau zu prüfen und sich nicht von niedrigen Preisen locken zu lassen. Der billigste Tarif mit nur drei Euro Monatsbeitrag vom Deutschen Ring landete im Test auf dem letzten Platz.
Finanztest, Heft 12/2008.
Testsieger ist die Central (Tarif Prodent), gefolgt von Barmenia (Tarif ZG) und dem Schweizer Anbieter CSS (Tarif Flexib ZE Top + ZB). Bei Central zahlt ein 43-jähriger Mann 21 Euro im Monat, eine Frau 24 Euro. Dafür übernimmt die Versicherung bei einer 500 Euro teuren Zahnkrone immerhin 297 Euro, bei einem 2300 Euro teuren Implantat sogar 1707 Euro.
Ohne Zusatzpolice kosten solche Behandlungen die Krankenversicherten seit der Gesundheitsreform sehr viel Geld. "Zahnersatz kann für den Patienten seither richtig teuer werden", warnt Finanztest-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen. Eine Zahnversicherung lohne sich daher besonders, wenn man Wert auf teuren Zahnersatz legt und auf höherwertige Materialien, als sie für den Kassenpatienten vorgesehen sind.
Für die Zahnkrone zahlt die gesetzliche Kasse nur noch 153 Euro Festzuschuss, für das Implantat 363 Euro. Den großen Rest müssen die Versicherten selbst tragen. Eine sehr gute Zusatzpolice kann also viel Geld sparen helfen. Mit dem Testsieger Central beträgt der Eigenanteil für Krone und Implantat nur ein Zehntel. Hinzu kommen allerdings die laufenden Beiträge für die Zusatzpolice.
Oft vermitteln die gesetzlichen Kassen Zusatzpolicen, die dann etwas günstiger sind. Nur die BIG Direkt aber biete mit dem Barmenia-Tarif einen Vertrag, der Bestnoten erziele, kritisiert die Stiftung. Viele Kassen dagegen vermittelten lediglich Zusatzpolicen mit der Note ausreichend. "Bei der Auswahl sollten Kunden ihrer Krankenkasse nicht blind vertrauen", warnt Finanztest.
Extrem stark beworbene Angebote wie die allein 15 Tarife von Karstadt Quelle schneiden im Test unterschiedlich ab. Einige Angebote des Konzerns liegen weit vorne, andere ganz hinten, weil etwa die Kostenerstattung für Inlays komplett ausgeschlossen wird. Häufig schränke ein Versicherer die Leistung durch Höchstgrenzen ein.
Andere versuchen, die Kunden an der Nase herumzuführen. So werben Anbieter mit "100 Prozent Erstattung", zahlen aber nur bis zur Höhe des Festzuschusses der gesetzlichen Kasse. Beim genannten 2300 teuren Implantat bekommt der Versicherte also je 363 Euro von der Kasse und aus der Zusatzpolice, bleibt aber auf fast 1600 Euro Eigenbeitrag sitzen. Von 100 Prozent Erstattung keine Spur. Viel besser wäre der Kunde mit einem Anbieter gefahren, der wenigstens die Hälfte der Gesamtkosten übernimmt.
Die Zusatzpolicen schließen mache Leistungen auch ganz aus, beispielsweise Kosmetik wie das Bleichen der Zähne. Dafür werde andererseits manch unnötiges Extra angeboten, so die Stiftung. Manche Versicherer behalten sich vor, die Tarife in den ersten Jahren verteuern zu können oder die Leistungen nachträglich zu ändern.
Von drei günstigen Angeboten der Axa (Tarif Dent), der Nürnberger (Tarif ZR) und des Münchener Vereins (Tarif 560) rät Finanztest deshalb ausdrücklich ab.
Vor einem Tarifwechsel sollten Versicherte bedenken, dass im neuen Vertrag wieder eine Wartezeit von acht Monaten gelte, warnen die Experten. Deshalb sollten in absehbarer keine größeren Behandlungen anstehen. In den ersten Vertragsjahren sei zudem bei fast allen Tarifen die Leistung begrenzt.