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Studie: Deutschland bremst Frauen aus

Nach der Lohnkluft entdecken Forscher wachsende Unterschiede bei der Arbeitszeit: Immer mehr Frauen haben nur eine Teilzeitstelle. Von Eva Roth

Teilzeit an der Textilmaschine. Die Arbeitszeiten von Frauen sind hierzulande so niedrig wie kaum irgendwo in der EU.
Teilzeit an der Textilmaschine. Die Arbeitszeiten von Frauen sind hierzulande so niedrig wie kaum irgendwo in der EU.
Foto: ddp

Die Arbeitzeiten von Frauen sind in Deutschland deutlich gesunken. Dies gilt insbesondere für Mütter: Die Jobs von Beschäftigten mit zwei Kindern sind um 11,5 Prozent geschrumpft. Damit gehe Deutschland bei der Erwerbstätigkeit von Frauen einen "Sonderweg", heißt es in der Studie der Uni Duisburg-Essen, die heute veröffentlicht wird und der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Zwar ist in Deutschland der Anteil erwerbstätiger Frauen wie andernorts in Europa gestiegen. Gleichzeitig verringerte sich jedoch die Arbeitszeit pro Kopf, und zwar um mehr als eine Stunde pro Woche. Heute haben Frauen im Schnitt einen 30-Stunden-Job, damit sind ihre Arbeitszeiten die zweitkürzesten in der EU nach den Niederlanden, betonen die Forscher, die sich die Entwicklung zwischen 2001 und 2006 angesehen haben.


Foto: FR-Infografik

Ein Hauptgrund: Immer mehr Frauen in Deutschland haben nur eine Teilzeitstelle - ihr Anteil ist um satte sechs Prozentpunkte auf 46 Prozent gestiegen. Dabei müssen sich viele mit extrem kleinen Jobs begnügen: Die Arbeitszeiten von weiblichen Teilzeitkräften sind hierzulande so niedrig wie nirgendwo sonst in der EU und liegen bei 18 Wochenstunden, berichten die Arbeitsmarktexperten Angelika Kümmerling, Andreas Jansen und Steffen Lehndorff.

Wenn man die Beschäftigungsquote der Frauen auf Vollzeitstellen umrechnet, dann zeigt sich: In Deutschland stagniert dieser Wert, in Europa ist er dagegen gestiegen. Die Bundesrepublik liegt inzwischen deutlich unter dem EU-Durchschnitt von rund 49 Prozent.

Gleichzeitig ist die Kluft zwischen den Arbeitszeiten von Männern und Frauen hierzulande größer geworden, und zwar insbesondere bei Eltern. Mütter mit zwei Kindern arbeiten heute drei Stunden pro Woche weniger als 2001, bei Vätern ist es nicht mal eine halbe Stunde. Dabei gilt: Männer bleiben umso länger im Betrieb, je mehr Nachwuchs sie haben. Bei Frauen ist es genau umgekehrt.

Auch die Lohnkluft ist in Deutschland im EU-Vergleich hoch. Frauen verdienen im Schnitt 22 Prozent weniger als männliche Kollegen, berichtet die EU-Kommission. Größer ist der Unterschied nur in Zypern und Estland. Gründe dafür sind nach Expertenansicht lange Kinderpausen und kurze Arbeitszeiten, beides hemmt die berufliche Entwicklung.

Heute sind zwar mehr Frauen berufstätig, viele sind aber weiterhin nur Hinzuverdienerinnen - "und bleiben damit finanziell abhängig vom Ehemann", schreiben die Forscher. Die Politik setze widersprüchliche Signale. Einerseits biete sie Anreize für eine geringe Frauenbeschäftigung, etwa durch die Subventionierung von Minijobs und das Ehegattensplitting, das Paare mit ungleichen Einkommen steuerlich begünstigt. Andererseits fördere sie seit einiger Zeit verstärkt die weibliche Beschäftigung: durch den Ausbau der Kinderbetreuung und das 2007 eingeführte Elterngeld. Es bleibe abzuwarten, wie sich das Elterngeld auswirke, heißt es in der Studie.

Lehndorff plädiert insgesamt für eine klarere Linie, das heißt: Kinderbetreuung konsequent ausbauen, Subventionen für Minijobs schrittweise abbauen und Ehegattensplitting reformieren.

Autor:  EVA ROTH
Datum:  1 | 12 | 2008
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