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Teheran: Atomphysiker bei Attentat getötet

Ein iranischer Atomphysik-Professor ist bei einem Bombenattentat getötet worden - iranische Medien beschuldigen Israel und die USA, den Wissenschaftler ermordet zu haben. Von Martin Gehlen ( Mit Video)

Der Professor für Atomphysik - Massoud Ali-Mohammadi - ist tot.
Der Professor für Atomphysik - Massoud Ali-Mohammadi - ist tot.
Foto: dpa

Ein iranischer Professor für Atomphysik ist am Dienstag bei einem Bombenattentat in Teheran getötet worden. Der ferngezündete Sprengsatz war nach Angaben des staatlichen Fernsehens an einem Motorrad befestigt und detonierte in der Nähe des Hauses des Wissenschaftlers Massoud Ali-Mohammadi, als dieser in seinen Wagen einsteigen wollte.

Im Fernsehen war zu sehen, wie die Ermittler den Getöteten in einem Plastiksack wegtrugen. Männer der Stadtreinigung fegten auf der Straße Glassplitter zusammen. Im Umkreis von 50 Metern waren durch die Detonation Fensterscheiben zu Bruch gegangen.

Ein Sprecher des Teheraner Außenministerium, Ramin Mehmanparast, sagte im staatlichen Fernsehen, es gebe Anzeichen dafür, dass die USA und Israel in den Vorfall verwickelt seien.
Ein Sprecher des Teheraner Außenministerium, Ramin Mehmanparast, sagte im staatlichen Fernsehen, es gebe Anzeichen dafür, dass die USA und Israel in den Vorfall verwickelt seien.
Foto: Foto: dpa

An dem umstrittenen Atomprogramm seines Landes war der Quantentheoretiker offenbar nicht beteiligt. Zur Atomenergiebehörde des Iran habe der Wissenschaftler keine Verbindung, wie deren Sprecher mitteilte. In einer offiziellen Erklärung im Fernsehen hieß es, der "revolutionäre Professor" sei als "Märtyrer" getötet worden.

In einer ersten Reaktion erklärte ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums, es gebe Anzeichen dafür, dass "Söldner der arroganten Mächte" in den Vorfall verwickelt seien. Im Sprachkodex der Islamischen Republik sind damit die Vereinigten Staaten und Israel gemeint. Nach Angaben des Teheraner Chefanklägers Abbas Dschafari Dolatabadi wurden bisher keine Verdächtigen festgenommen. Auch übernahm bisher niemand die Verantwortung für den Mord.

Eine dem grünen Oppositionspolitiker Mir Hussein Mussawi nahe stehende Website schrieb, der 50-jährige Spezialist habe vor der Wahl zusammen mit 240 anderen Akademikern ein Manifest für die grüne Bewegung unterzeichnet. Der Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät erklärte jedoch, der Getötete habe sich ansonsten nicht politisch betätigt.

Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl im vergangenen Juni sind die Universitäten ein zentraler Schauplatz bei den schweren Auseinandersetzungen zwischen dem Regime und seinen Gegnern.

Im Sommer vergangenen Jahres war der iranische Atomwissenschaftler Shahram Amiri, der für die Teheraner Atomenergiebehörde arbeitet, während einer Pilgerfahrt nach Mekka in Saudi-Arabien spurlos verschwunden. Der Iran beschuldigte Riad, den Forscher gekidnappt und an die USA ausgeliefert zu haben. Am kommenden Samstag wollen sich die Vertreter der fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat plus Deutschland in New York treffen, um weiter gehende Sanktionen gegen den Iran wegen seines Atomprogramms zu beraten.

Ein für Dienstag angesetzter Prozess im Iran gegen sieben Mitglieder der Religionsgemeinschaft der Bahai hat international scharfe Kritik hervorgerufen. Die Angeklagten seien mehr als 20 Monate ohne angemessenen Rechtsbeistand inhaftiert, bemängelte ein Sprecher des US-Außenministeriums.

Die Anklage wirft den Bahai vor, an der Organisation von Protesten gegen die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad beteiligt gewesen zu sein und Fotos ins Ausland geschickt zu haben.

Die Bahai gelten seit der islamischen Revolution als "Abtrünnige" des Islam und werden in ihren staatsbürgerlichen Rechten eingeschränkt. (mit afp)

Autor:  Martin Gehlen
Datum:  12 | 1 | 2010
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