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US-Soldatinnen: Frauen an zwei Fronten

Mehr als 160.000 US-Soldatinnen kämpfen im Irak - oft in der vordersten Reihe, entgegen allen Vorschriften. Doch nicht nur dort leben sie gefährlich. Heimkehrerinnen berichten vom Feind im eigenen Lager. Von Tanja Schwarzenbach

Einmal im Monat durfte Connica McFadden im Irak ihren Sohn daheim anrufen.
Einmal im Monat durfte Connica McFadden im Irak ihren Sohn daheim anrufen.
Foto: Sascha Pfläging

Als Connica McFadden und ihr Mann, beide US-Soldaten, in einem Militärtransporter saßen, der sich durch die staubigen Straßen des Irak schlängelte, konnte sie sich vor Angst kaum bewegen. Die Strecke war gefährlich. Statt der vorgesehenen zwei Stunden dauerte es 18 Stunden bis sie Camp Cedar erreichten, die Militärbasis, in denen sie und ihre Kollegen die kommenden Monate verbringen würden.

Staff Sergeant Connica McFadden wusste nicht, was sie dort erwartete. Sie wusste nichts über den Irak. Sie war zum ersten Mal im Krieg, herausgerissen aus einer Welt, in der sie Mutter eines sechs Monate alten Babys und eines fünf Jahre alten Sohns war. Ist ein Kind älter als ein halbes Jahr kann das US-Militär die Mutter, die Soldatin, einberufen.

Fotografien

Sascha Pflägings Porträts sind zurzeit in einer US-Schau in Richmond, Virginia zu sehen: "When Janey Comes Marching Home: Portraits of Women Combat Veterans", Fotos im Internet: www.janeycomeshome.com

Aktuelles Buch: Helen Benedict: "The Lonely Soldier", Beacon (engl.), www.helenbenedict.com

Über 160000 US-Soldatinnen haben seit Beginn des Irak-Kriegs in Irak, in Afghanistan und im Mittleren Osten gedient. In Vietnam waren es noch 7500. Im Zweiten Golfkrieg schon 41000. Jetzt dienen Frauen zum ersten Mal als Konvoi-Schützen und spüren Bomben auf - obwohl das US-Verteidigungsministerium Frauen offiziell untersagt, sich am Bodenkampf zu beteiligen. Doch im Irak gibt es keine klaren Frontverläufe und keine Sicherheitszonen. Der Krieg ist überall.

160.000 Soldatinnen, das heißt: Nur jeder siebte Soldat ist weiblich. Der Krieg ist immer noch eine Welt der Männer. Wie lebt es sich darin als Frau? US-Autorin Laura Browder und Fotograf Sascha Pfläging haben nach Antworten darauf gesucht Sie sprachen mit US-Soldatinnen, die aus Irak oder aus Afghanistan zurückkehrten und fotografierten sie. Keine spektakulären Fälle wie Jessica Lynch oder Lynndie England, die es zu zweifelhafter Berühmtheit brachten. Sondern durchschnittliche Soldatinnen. "Fast alle", sagt Laura Browder, "haben im Gespräch geweint."

Fotograf Pfläging nahm die Frauen kurz nach ihrer Heimkehr auf, als die Erlebnisse in ihnen noch nachhallten. Sie zeigen Soldatinnen im Jeep oder auf dem Militärflughafen. Auch Connica McFadden, heute 29, posierte für die Bilderserie, in Tarnuniform, mit einem Barett auf dem Kopf. Sie hat überlebt, hat die Strapazen hinter sich gebracht. Wie, das wundert sie manchmal.

Es gibt Militärbasen mit Komfort: Zimmer, Duschen und DVD-Player. Draußen Burger King, Popeyes und Pizza Hut. Es sind kleine US-Städte auf feindlichem Terrain. Connica McFadden aber landete bei ihrem ersten Einsatz - im Nichts. Sie gehörte einer der ersten Einheiten in Camp Cedar an, im Süden des Irak, sie sollten sich um Öl für die United Armed Forces kümmern. Sie wohnten im Zelt. Keine Intimsphäre, keine Umkleiden, keine Duschen, keine Toiletten. Sie gruben Löcher und verbrannten die Exkremente. Drei mal täglich gab es kalte Fertigmahlzeiten.

Als sie endlich Post versenden konnte, schickte McFadden ihrem Sohn Ramel Briefe, Karten und Zeichnungen. Sie und ihr Mann hatten Ramel und das Baby Ayesha bei den Pateneltern untergebracht. Einmal im Monat durfte McFadden, Mutter und Soldatin, ihren Sohn anrufen.

Keine Nacht verging, erzählt eine andere Soldatin, Kim Dionne, 46, zuerst in Afghanistan, dann in Irak stationiert, in der nicht Granaten über ihr Lager flogen. In der sie nicht um 1 Uhr oder 2 Uhr aus ihrem Betten hochschreckte und zu den Bunkern rennen musste, durch den Wüstensturm, ohne zu wissen, welche Gefahr ihr eigentlich drohte. Auf Todesangst kann man sich nicht vorbereiten.

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Autor:  Tanja Schwarzenbach
Datum:  24 | 3 | 2009
Seiten:  1 2
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