Mexiko-Stadt (dpa) - Alle zwölf Sekunden infiziert sich irgendwo auf der Welt ein Mensch mit dem Aidserreger HIV. Bei der ersten Weltaidskonferenz in Lateinamerika beraten in Mexiko-Stadt etwa 25.000 Fachleute aus aller Welt, wie sich die unheilbare Seuche eindämmen lässt.
Zentrales Thema ist unter anderem die Stärkung der Gesundheitssysteme und die internationale Koordinierung von Aufklärung und Behandlung der Immunschwäche. Die Konferenz, die von diesem Sonntag bis zum Freitag, 8. August dauert, ist die größte Veranstaltung zum Thema HIV und Aids, auf der die jüngsten Untersuchungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse vorgestellt und diskutiert werden können.
Sie findet alle zwei Jahre statt und wird in diesem Jahr veranstaltet von der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS), vom Aidsprogramm der Vereinten Nationen (UNAIDS), der Regierung von Mexiko-Stadt und weiteren internationalen Organisationen, die mit der Aids-Problematik befasst sind.
33 Millionen Infizierte
Erst Anfang der Woche hatten die Vereinten Nationen berichtet, die Epidemie habe sich auf "inakzeptabel hohem Niveau" stabilisiert. Etwa zwei Millionen Menschen sind demnach im vergangenen Jahr an den Folgen von Aids gestorben, jeden Tag stecken sich 7500 Menschen neu mit dem Aidsvirus an. In der ganzen Welt leben 33 Millionen Infizierte, zwei Drittel davon in Afrika südlich der Sahara, dem Schwerpunkt der Seuche. UNAIDS-Leiter Peter Piot sagte, es seien vor allem bei der Vorbeugung und bei der Behandlung Fortschritte erzielt worden.
Dennoch bemängelt das UN-Kinderhilfswerk Unicef, dass zu wenig Kinder behandelt und vor einer Ansteckung während der Geburt oder beim Stillen durch ihre infizierte Mutter geschützt würden. Jedes zweite HIV-infizierte Kind, das keine medizinische Behandlung erhält, werde nicht einmal zwei Jahre alt, teilte Unicef mit.
Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation und dem Finanzfonds UNITAID kündigte UNICEF an, zusätzlich 50 Millionen Dollar einzusetzen, um die Mutter-Kind-Übertragung des Immunschwäche-Virus zu stoppen. In neun besonders von der Epidemie betroffenen Ländern sollten rund zehn Millionen Schwangere auf HIV getestet und 285 000 Mütter und Kinder behandelt werden.
Wieczorek-Zeul fordert Schutz der Frauen
Laut UNAIDS haben sich im vergangenen Jahr in den Entwicklungs- und Schwellenländern schätzungsweise 370.000 Kinder mit dem Aidserreger angesteckt, meist über ihre Mütter. Allein im vergangenen Jahr seien 270.000 Kinder an den Folgen von Aids gestorben.
In Berlin forderte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) die internationale Gemeinschaft auf, die Frauen im Kampf gegen Aids besser zu stützen und schützen. Gerade die Frauen müssten gestärkt werden, da sie durch Gewalt und Diskriminierung in besonderer Weise von Infektion und Krankheit bedroht seien. Die Bundesregierung stelle von 2008 an jährlich rund 500 Millionen Euro bereit, um die Ausweitung von HIV, Malaria und Tuberkulose zu stoppen.