Winnenden. Der Amokläufer von Winnenden soll wenige Stunden vor der Tat noch Killerspiele im Internet gespielt haben. Die Auswertung des Rechners von Tim K. habe ergeben, dass der 17-Jährige am Dienstag gegen 19.30 Uhr das Spiel "Far Cry 2" startete und den PC gegen 21.40 Uhr ausschaltete.
Das berichtete "Der Spiegel" unter Berufung auf Ermittler. Derweil geht das Rätseln über die Hintergründe der Bluttat mit 16 Toten weiter. Die Polizei hatte von Depressionen des Täters gesprochen, dagegen ließen die Eltern von Tim K. laut "Focus" erklären, ihr Sohn sei nie in psychotherapeutischer Behandlung gewesen und auch nie in einer Klinik behandelt worden.
Polizeidirektion und Staatsanwaltschaft Stuttgart erklärten am Samstag, Tim K. sei zwischen April und September 2008 in einer psychiatrischen Spezialklinik "mehrmals vorstellig" geworden. Bereits am Mittwoch hatte die Polizei erklärt, der 17-Jährige sei wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung gewesen, die er jedoch abgebrochen habe. Nach Angaben des "Spiegel" hat sich Tim K. schon vor Monaten mit Schulmassakern beschäftigt. Der 17-Jährige sei unter Pseudonymen im Internet aktiv gewesen und habe sich auch in einem Diskussionsforum zu den Massakern von Erfurt und Emsdetten gemeldet.
Der 17-Jährige hatte am Mittwochmorgen an seiner früheren Schule, der Albertville-Realschule in Winnenden, und auf der Flucht nach Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschossen. Das erste Opfer wurde am Samstag beerdigt. Psychologen berichteten in Winnenden, die meisten Schüler und Lehrer hätten ihren ersten Schock überwunden. Nun gelte es, vorsichtig damit zu beginnen, die traumatischen Erlebnisse aufzuarbeiten, sagte der Leiter des Kriseninterventionsteams, Dieter Glatzer. "Auch für uns als Helfer ist es sehr belastend, mit allen Reaktionen klarzukommen."
Vor dem Schulgebäude, in dem Tim K. insgesamt zwölf Schüler und Lehrer umgebracht hat, wird das Meer aus Blumen und Kerzen immer größer. Am Samstag wurden weiter Briefe und Frühlingssträuße abgelegt. Am Freitagabend hatten in bewegenden Gottesdiensten mehr als 1500 Menschen der Opfer des Amoklaufs gedacht. "Wir haben gemerkt, wie hilf- und wehrlos wir alle sind", sagte Gemeindepfarrer Helmut Buchmann in Wendlingen.
Unterdessen ging die Debatte über ein Verbot von Internet- Killerspielen weiter. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigte in der "Bild am Sonntag" an: "Ich will am Dienstag in meinem Kabinett über das Killerspielverbot, über die Aufbewahrung von Waffen und vor allem über mehr Prävention beraten." (dpa)