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Wolfgang Clement: Auftritt als "Graf Rotz"

Genossen an Rhein und Ruhr werfen dem früheren Wirtschaftsminister Selbstverliebtheit, Arroganz und Sturheit vor. Doch kaum jemand fordert ihn offen zum Rückzug auf.

Es ist einfach seine unerträgliche Arroganz, sein Auftreten als Graf Rotz, die ihm nun zum Verhängnis wurde, sagte  Jochen Ott, Vize-Chef der nordrhein-westfälischen SPD, über Wolfgang Clement (Bild).
"Es ist einfach seine unerträgliche Arroganz, sein Auftreten als Graf Rotz, die ihm nun zum Verhängnis wurde", sagte Jochen Ott, Vize-Chef der nordrhein-westfälischen SPD, über Wolfgang Clement (Bild).
Foto: dpa

Düsseldorf. Was haben Oskar Lafontaine und Wolfgang Clement gemeinsam? "Beide haben einen absolut selbstverliebten Charakter", sagt Jochen Ott, Vize-Chef der nordrhein-westfälischen SPD. Wenige Tage nach dem überraschenden Ausschluss des ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten Clement erhöhen die Genossen an Rhein und Ruhr den Druck auf den 68-Jährigen.

"Es ist einfach seine unerträgliche Arroganz, sein Auftreten als Graf Rotz, die ihm nun zum Verhängnis wurde", sagte Ott der FR. Clement solle sich selbst fragen, ob er es schaffe, der Partei in den kommenden Wahlkämpfen nicht zu schaden. "Wenn er dies nicht kann, sollte er freiwillig gehen", meint der Kölner Abgeordnete.

Kaum jemand im mit 142.000 Mitgliedern größten Landesverband der SPD fordert offen Clements Austritt. Das einfache Parteimitglied und hochdotierte Aufsichtsratmitglied in zahlreichen Unternehmen hatte es zunächst sogar geschafft, sich als Opfer eines Richtungsstreits zu stilisieren.

Seit dem Wochenende liegt ihm nun ein erneuter Vorschlag der Ortsverbände vor. Sie verzichten auf den Parteiausschluss, wenn er zukünftig nicht mehr von der Wahl seiner eigenen Partei abrät. Erwartungsgemäß barsch lehnte Clement dies in einem von Dutzenden Interviews als Angriff auf seine Meinungsfreiheit ab. Dabei ging es in dem Verfahren nie um Clements Haltung zur Energie- oder Wirtschaftspolitik.

In der Verhandlung vor dem Düsseldorfer Landesschiedsgericht wurden nach Informationen der FR nur am Rande politische Positionen diskutiert. Vielmehr habe Clements Anwalt, Otto Schily, sofort darauf gepocht, dass jeder seine Meinung sagen dürfe und er in dem Verfahren die Rache von "verfemten Arbeitnehmern" sehe. Schon in dieser Verhandlung machten die Ortsvereine Clement das Angebot, es bei der Rüge zu belassen, wenn er bei künftigen Wahlkämpfen solidarisch sei. Das Schily/Clement-Duo lehnte ab.

Nun mehren sich die Rufe nach einem Kompromiss. "Wolfgang Clement würde kein Zacken aus der Krone brechen, wenn auch er jetzt einlenkt", sagte der frühere Landeschef Harald Schartau. Auch SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft forderte eine "einvernehmliche Lösung".

Wenig spricht dafür, dass Clement klein bei gibt. "Er ist keinen Deut auf uns zugekommen und wollte nicht mit uns reden", so Ernst Majewski, Vorsitzender des klagenden Ortsvereins Gelsenkirchen Rotthausen. Seine Berufung habe Clement nicht einmal begründet, auf Briefe nicht geantwortet. "Es ist aber doch Ursprung jeder Partei, im Wahlkampf Stimmen zu suchen", sagt Majewski. Wer das kaputt mache, schade der SPD. Die Genossen lehnen den Vorschlag von Kurt Beck ab, Clements Lebensleistungen zu berücksichtigen. "Vor dem Gericht gilt keine Doppelmoral."

Der Bochumer Ortsverein sieht sich aus dem Streit sogar gestärkt hervorgehen. Seit dem Schiedsspruch habe es demnach schon "einige Neueintritte" gegeben.

Autor:  ANNIKA JOERES
Datum:  5 | 8 | 2008
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