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Zur Eröffnung des Frankfurter "LiteraTurm": Höher hinaus geht es kaum

Im Stadtwald drehte sich das beleuchtete Riesenrad des Wäldchestag-Festes. Im 41. Stock des Opernturms mit grandiosem Panoramablick eröffnete das Frankfurter Literaturfestival "LiteraTurm". Von Christoph Schröder

Frankfurts OB Petra Roth bei der Eröffnung des LiteraTurm.
Frankfurts OB Petra Roth bei der Eröffnung des LiteraTurm.
Foto: Petra Welzel

Weit draußen im Frankfurter Stadtwald drehte sich das beleuchtete Riesenrad des Wäldchestag-Festes; oben, im 41. Stock des Opernturms, in einem eindrucksvollen, noch rohen Raum mit grandiosem Panoramablick, eröffnete der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth das fünfte Frankfurter Literaturfestival "LiteraTurm". Und schon zu Beginn wurde in mehrfacher Hinsicht deutlich: Höher hinaus geht es wirklich kaum noch. Das Motto lautet diesmal "Radikal gegenwärtig", und die Veranstaltung unterscheidet sich stark von Spaßfestivals anderer Orte, wo mehr oder weniger bekannte Schauspieler mehr oder weniger gelungene Bestseller vorlesen.

Die Frankfurter Literaturreferentin Sonja Vandenrath und ihr Team dagegen haben als Ziel für "LiteraTurm" eine Bestandsaufnahme aktueller Literaturproduktion ausgegeben. Die Frage im Hintergrund formulierte der gewohnt souveräne Moderator Hubert Winkels: "Gibt es in der Literatur einen neuen Realismus nach den postmodernen Spielereien?" Auf dem Podium der gut besuchten, stimmungsvollen Auftaktveranstaltung saßen neben Katharina Hacker, deren Roman "Die Erdbeeren von Antons Mutter" in diesen Tagen erschienen ist, die Literaturwissenschaftler Moritz Baßler und Albrecht Koschorke - kein Wunder also, dass man hin und wieder das Gefühl hatte, sich in ein germanistisches Oberseminar verirrt zu haben. Doch das Publikum war offensichtlich bereit zur Komplexität, und so entspann sich schnell ein durchaus instruktives Gespräch über den Realismusbegriff, den fiktionalen Charakter dessen, was man im Allgemeinen für real hält (man denke nur an das Finanzsystem!) und die Schwierigkeiten eines Autors, Figuren zu erschaffen, die dezidiert ausgedacht und doch wirklichkeitsnah sind.

Das Literaturfestival

"LiteraTurm" in Frankfurt: bis 30. Mai, www.literaturm.de

Dass sich die Lesezeit aus einer bereits jetzt gefeierten Neuerscheinung wie Katharina Hackers Roman auf 20 Minuten verkürzte, war schade, zumal die Versuche der Gesprächsrunde, den theoretischen Diskurs ganz praktisch auf den von Hacker vorgetragenen Text anzuwenden, spannende Ansätze zeigten. Ein konkretes Ergebnis, wie könnte es anders ein, brachte das Gespräch nicht. Möglicherweise die Erkenntnis, dass Literatur Realitäten durchspielen kann, aber stets Spiel bleibt. Oder, wie die Autorin es formulierte: "Literatur schafft es immer wieder, auf fruchtbare Weise keine Antworten zu geben." Darauf kann man doch aufbauen in den kommenden "LiteraTurm"-Tagen.

Autor:  Christoph Schröder
Datum:  27 | 5 | 2010
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