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Internationale Automobil-Ausstellung 2015
Vernetzt und selbstfahrend: Das Auto der Zukunft steht im Zentrum der Automesse 66. Internationalen Automobilausstellung.

18. September 2015

IAA Frankfurt: Beim Fahren noch die Emails checken

 Von  und 
Die Automesse zieht auch dieses Mal Zigtausende von Besuchern an.  Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Auf der IAA ist vernetzte Mobilität und automatisiertes Fahren zu sehen. Doch nicht alles, was dort ausgestellt wird, hat unbedingt vier Räder. Zum ersten Mal gibt es einen reinen Fahrradstand.

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Mit dem Smartphone ein Auto rufen, das einen von der S-Bahn nach Hause fährt, während man Fußball guckt oder seine E-Mails bearbeitet. Noch klingt das trotz aller Automatisierung, von der Autofahrer bereits heute profitieren, wie Zukunftsmusik. Nicht nur die Tüftler in der Autobranche bereiten sich genau auf solche Szenarien aber längst vor.

Dass das automatische Fahren technisch machbar sei, zeige schon, dass Google solche Fahrzeuge inzwischen bereits außerhalb des Testgebiets fahren lassen dürfe, sagt Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zur Eröffnung des Hessischen Mobilitätskongresses auf dem Frankfurter Messegelände. Noch seien aber entscheidende Fragen zu klären. Wer haftet, wenn etwas passiert? Was ist mit Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern und Fahrrädern? Wie sollen die Fahrzeuge in ethischen Konflikten entscheiden?

Auf der IAA ist diese vernetzte Mobilität längst zu sehen. Halle 3, erster Stock. Frankfurt ist auch vertreten, auf dem „Smart City Forum“. „Wir zeigen einen Film über das Ticketing der Zukunft“, sagt Jonas Exner von RMS, der Servicegesellschaft des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Was kann das Ticketing der Zukunft? „Steht alles in dem Prospekt.“ Auf der RMV-Mobilitätskarte ist der Fahrschein gespeichert, sie bietet Zugang zu Carsharing und Leihfahrrädern. Am Stand nebenan steht ein Flinkster, das Leihauto der Deutschen Bahn, ein Call-a-Bike parkt daneben. So stellt die Deutsche Bahn sich vernetztes Fahren vor.

Dass die Automatisierung der Fahrzeuge dem ÖPNV schaden muss, glaubt Al-Wazir nicht. Die neuen Möglichkeiten würden diesen nicht ersetzen, sondern ergänzen – gerade im ländlichen Raum. Die Politik sei in der Pflicht, dafür Konzepte zu entwerfen, sagt der Verkehrsminister. Eher skeptisch äußerte sich Al-Wazir dagegen zum Einsatz solcher Fahrzeuge auf den Autobahnen und in den Städten. Gerade dort müsse der ÖPNV das Rückgrat des Mobilitätssystems bleiben, sagt er.

Am Frankfurter Standort von Continental befasst sich Ralf Lauxmann mit dem automatisierten Fahren. „Vision Zero“ nennt das Mitglied der Geschäftsleitung als das große Ziel – dazu beizutragen, dass es keine Unfälle mehr gibt auf den Straßen. 95 Prozent aller Unfälle seien auf menschliche Fehler zurückzuführen, also vermeidbar.

Ein als Crash Test Dummy verkleideter Mann.  Foto: Odd Anderson/AFP

Nach einem Zeitplan, den Lauxmann auf dem Kongress skizziert, werden die Fahrer in den kommenden Jahren schrittweise immer mehr Verantwortung an das Fahrzeug übertragen können. Bis vollautomatisierte Autos ohne Lenkrad und Pedale durch die Gegend fahren werde es wohl aber mindestens bis zum Jahr 2025 dauern.

Dann flitzt ein elektrischer Klapproller vorbei. „Mit drei unterschiedlichen Stufen für die Geschwindigkeit, sechs, zwölf, oder 18 Stundenkilometer“, erklärt David Reichenbach von Citybug. Gedacht sei der für den urbanen Raum. „Wir produzieren für alle möglichen Kunden, nicht nur für Städter“, sagt Boris Mesaric von Egret, dem Rollerstand gegenüber. „Mit dem Auto bis zum Ziel, dann den Klapproller aus dem Kofferraum und weiterfahren“, so stellt er sich die Mobilität der Zukunft vor. „Oder komplett auf alle Verkehrsträger verzichten und alles mit dem Roller machen“, sagt er. Geteilte Elektroroller bietet das Unternehmen Emio mittlerweile an. 150 rote Roller stehen im Straßenraum, die Fahrt kostet 19 Cent pro Minute, Buchung läuft per App, Helme und Schlüssel liegen im Kofferraum. Das Angebot gibt es bisher aber nur in Berlin.

Positive Auswirkungen für Umwelt und Klimaschutz erhofft sich Matthias Wissmann, der Präsident des Verbands der Deutschen Automobilindustrie, von der Mobilität der Zukunft. Wenn Autos sich per „Schwarmintelligenz“ den nächsten freien Parkplatz suchten, werde das zu einer massiven Reduzierung des Verkehrs in den Städten führen. Er sieht auch die Verringerung des Stop-and-go-Verkehrs voraus.

Wie grün die Autoindustrie gerne heute schon wäre, zeigt sie bei der Vielzahl der Elektro- und Hybridmodelle in Halle 3.1. Fast jeder Hersteller hat mittlerweile ein solches Modell in Serie produzieren lassen. Sie kosten aber ein paar Tausend Euro mehr als die Autos mit konventionellem Motor.

Großbuchstaben: am Mercedes-Stand auf der IAA.  Foto: Ralph Orlowski/rtr

Zum ersten Mal überhaupt gibt es einen reinen Fahrradstand auf der IAA, dort präsentieren sich die Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa). Mifa produziert Fahrräder für große Ketten, Aldi und Metro, eine halbe Million Stück im Jahr. Und zeigt auf der IAA viele Pedelecs und E-Bikes. Gab es da keinen Ärger mit der IAA-Veranstalter, dem Verband der Automobilindustrie? „Nein“, sagt Katja Niemann von Mifa, „die haben uns ganz positiv aufgenommen.“ Am Stand lernt man auch den Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes? „Pedelecs sind bis zu 25 Stundenkilometer schnell, E-Bikes beziehungsweise Speed-Pedelecs fahren bis zu 45 Stundenkilometer und brauchen eine Straßenzulassung“, sagt ein Mitarbeiter. Wieder was gelernt.

Noch mehr Wissen vermittelt der Mobilitäts- und Lebensstilforscher Konrad Götz vom Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung. Er kritisiert den von den Unternehmen eingeschlagenen Weg zum selbstfahrenden Auto. Der Einsatz vollautomatisierter Fahrzeuge sei, wenn überhaupt, nur für einen sehr kleinen Bereich sinnvoll, sagt er, etwa als Ersatz für Anrufsammeltaxis im ländlichen Raum. Diese Fahrzeuge müssten nach seinen Vorstellungen zudem langsam, sehr langsam und in einem abgesicherten Bereich fahren.

Technisch möglich sei es, automatisierte Autos in Großstädten wie Frankfurt fahren zu lassen. „Doch das wäre überhaupt nicht sinnvoll.“ Dort seien die Wege kurz und eine hohe Aufenthaltsqualität wichtig. Auch den Wunsch, selbstfahrende Autos mit hohem Tempo entlang der Autobahnen fahren zu lassen, nennt er verfehlt. Er warnt davor, die Diskussion unter Ausblendung der ethischen Belange zu führen. Selbst den Vorteil, dass Fahrer sich nicht auf den Verkehr konzentrieren müssten, sondern andere Dinge erledigen könnten, sieht er nicht. „Dann müssen wir auch noch im Auto E-Mails abarbeiten.“

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