Das nennt man eine Karriere: vom Chef-Gangster des größten Raubzugs der britischen Kriminalgeschichte zur Grauen Eminenz des bundesdeutschen Fernsehkrimis. Horst Tapperts Biografie weist eine ansehnliche Zahl von Filmen auf, doch mit gerade mal zwei Rollen hat der Schauspieler sich in die Fernsehchronik Nachkriegsdeutschlands eingeschrieben. Er hatte seinen Durchbruch 1966 als Michael Donegan, Boss der Posträuberbande in "Die Gentlemen bitten zur Kasse", einem der großen mehrteiligen Fernsehfilme Mitte der sechziger Jahre (in dem übrigens auch Siegfried Lowitz mitspielte, der später ebenfalls als TV-Kommissar, als "Der Alte", reüssierte).
Die Geschichte der "Gentlemen" wurde von John Olden und Claus Peter Witt beinahe mit Sympathie erzählt - zumal die Diebe damals noch nicht alle gefasst waren und dem tatsächlichen Raubzug der Charakter eines Schelmenstücks anhaftete. Und Tapperts Gangster hatte so gar nichts von dem, was ihn später als Oberinspektor Stephan Derrick zu einer - nun ja: Kultfigur des Fernsehens werden ließ, es sei denn, man bezieht sich auf seine Körpergröße: Dieser Blick von oben auf seine Umwelt schien das Mittel zu sein, das ihm die Autorität verschaffte, die ein Chef braucht.
Doch von starker Bühnenpräsenz konnte man bei Horst Tappert kaum sprechen. Dabei hatte er das Handwerk gelernt - wenngleich beinahe zufällig: Der gebürtige Wuppertaler hatte sich nach dem Krieg bei der Verwaltung des Theaters Stendal beworben, bekam erst einen Aushilfsjob, nahm aber bald Schauspielunterricht.
Zur Person
Horst Tappert, am 26. Mai 1923 in Wuppertal-Elberfeld geboren, wurde in der Rolle des TV-Ober-Inspektors Stephan Derrick weltberühmt. Ab 1974 stellte er den Münchner Ermittler dar, 24 Jahre lang - auch ein Export-Erfolg: Die ZDF-Serie lief in mehr als 100 Ländern.
Bereits zuvor hatte sich Tappert als Bühnen-, TV- und Filmschauspieler einen Namen gemacht, u.a. als Posträuber in "Die Gentlemen bitten zur Kasse" (1966). Tappert starb am Samstag in München.
Fotostrecke:
"Derrick" ist tot
Video:
Horst Tappert ist tot
Bereits zuvor hatte sich Tappert als Bühnen-, TV- und Filmschauspieler einen Namen gemacht, u.a. als Posträuber in "Die Gentlemen bitten zur Kasse" (1966). Tappert starb am Samstag in München.
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"Derrick" ist tot
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Horst Tappert ist totDoch das sollte nicht so bleiben. Angeblich entdeckte ihn Produzent Helmut Ringelmann, als Tappert - einen Kommissar spielte: in einer dieser hanebüchenen Edgar-Wallace-Filme der sechziger Jahre. Ringelmann, der für das ZDF zusammen mit dessen Stamm-Autor Herbert Reinecker schon die außerordentlich erfolgreiche Serie "Der Kommissar" mit Erik Ode produziert hatte, fand in Tappert einen idealen Nachfolger des bedächtigen Alleswissers: "Derrick".
Das Strickmuster war das gleiche. Ein kluger Polizist als Fels in der Brandung der gesellschaftlichen Unordnung; einer, der eher mit Kombinationsgabe als mit Knarre seine Fälle löst (und dazu einen braucht, dem er - und damit dem Zuschauer - die Lösung erzählen kann: der Assistent). Fritz Wepper wurde in dieser Rolle berühmt durch den Satz: "Harry, hol schon mal den Wagen". In den achtziger Jahren, als so ziemlich alles "Kult" war, was aus den Siebzigern stammte, wurde auch "Derrick" in diesen Adelsstand des Trashs erhoben, und das Ritual der Krimi-Handlung mag diese Anerkennung befördert haben.
Dabei erfüllte Horst Tappert - mehr noch als Erik Ode vielleicht - die Funktion der Projektionsfläche für das Sicherheitsbedürfnis der TV-Gesellschaft. Die Studentenunruhen und der Terrorismus der RAF hatten viele verunsichert - Tappert sorgte nun in seinem grauen Trenchcoat zuverlässig für die Aufklärung von Verbrechen. Als Ober-Inspektor wirkte er so sicher und, anders als die "Tatort"- Ermittler von heute mit ihren Liebes- und Familienhändeln, so unbeleckt von privater Unbill - mit einem Wort: so bieder in seinem deutschen Beamtencharakter.
Tappert schien bald auch abseits der Rolle stets im nicht-farbenen Anzug aufzutreten, der Blick durch seine mit den Jahren scheinbar immer größer werdende Brille mit den dicken Rändern verschaffte vielleicht manch einem Zuschauer die vertraut-gruselige Erinnerung an das schlechte Gewissen kleiner Jungs, die beim Doktorspielen erwischt werden. So bewegte er sich durch das Teakmöbel-Interieur des deutschen Wohnzimmers, das in den Filmen immer etwas von der Enge einer Gefängniszelle hatte, und machte dem Bösen den Garaus - ob es sich nun als sinistrer Wirtschaftskrimineller oder auf Abwege geratener Familienvater entpuppte.
Was manch ein Schauspieler als Fluch empfindet: die Identifikation mit nur einer Rolle - Horst Tappert hat sie wohl eher genossen. Seine Figur war populär weit über das deutschsprachige Fernsehen hinaus, wurde in mehr als 100 Länder verkauft: Am deutschen Krimiwesen durften auch die Fans in Übersee genesen. Vor zehn Jahren fiel die letzte Klappe für "Derrick". Horst Tappert ist jetzt am 13. Dezember in einer Klinik in München im Alter von 85 Jahren gestorben.


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