Rund 64 Millionen Euro will der Hessische Rundfunk (HR) bis zum Jahr 2012 einsparen. Können die Gebührenzahler da noch umfassend informiert werden? Der Redakteursausschuss des HR befürchtet eine Gefährdung der "Informationskompetenz", ein verantwortungsvoller Umgang mit Informationen sei so nicht mehr zu schaffen. Das schlägt sich womöglich nicht nur auf die Laune der in ihrem Spielraum eingeschränkten Redakteure, sondern auch auf die der Hörer und Zuschauer nieder. Sie wollen ja als Zahlende auch den Bildung- und Informationsauftrag des Senders legitimiert wissen.
Die Kernaufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, das Angebot für tagesaktuelle Nachrichtensendungen, wird zukünftig um ein Drittel schrumpfen, beklagen die neun Redakteursvertreter, denn unter anderem falle die 15-Uhr-Ausgabe von Hessen aktuell weg, das "hessenjournal" soll einer 15-minütigen Nachrichtensendung ohne festen Sendeplatz weichen. Insgesamt will der Sender mit zuzeit 1750 Stellen in den kommenden zwei Jahren 24 Stellen nicht wieder besetzen.
Auch laufende Tarifverhandlungen mit freien Mitarbeitern sollen Einsparungen bringen. Grund für die Einsparungen seien unter anderem Gebührenausfälle und geringere Werbeeinnahmen, hieß es.
Mit seinem Sparprogrammm scheint der Hessische Rundfunk auch seine jungen, vielleicht zukünftigen, Hörer aus den Augen zu verlieren: Für die 3- bis 13-jährigen Hörer werden die Angebote stark schrumpfen. 4,1 Millionen Euro fallen insgesamt für den Hörfunk weg.
Das trifft das Kinderprogramm von hr2-kultur stark, denn wie aus dem Sender zu hören ist, sollen entweder das Kinder- und Jugendhörspiel oder komplette aktuelle Sendestrecken während der Woche wegfallen. Die könnten ja jetzt KIKA gucken, habe es von leitender Stelle geheißen, sagt ein Mitarbeiter der FR. Pressesprecher Tobias Häuser versucht die Wogen zu glätten: Von den 64 Millionen würden nur 7 Millionen im Programm gespart werden. Der große Batzen mit 57 Millionen Euro beträfen Tarifabschlüsse, Investitionen, Technik und Honorare, sagt Häuser. Und: Fest stehe nur, wo gespart würde – wie, das sei eine andere Frage. "Wie die Redaktionen kürzen, können sie selbst entscheiden."
Das mag die Redaktion kaum beruhigen. Sie sorgt sich des weiteren um die ausländischen Programme, die sich auch um Fragen der Integration bemühen – ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur interkulturellen Verständigung. Denn ab 2010 soll der Betrieb auf der Mittelwelle eingesteltt werden. "Das ist einfach zu teuer", sagt Pressesprecher Tobias Häuser und meint damit die Stromkosten.
Die dort auf Spanisch und Griechisch gesendeten Programme fielen damit weg. Auch Programme in Italienisch, Türkisch, Russisch und Polnisch, dreieinhalb Stunden Programm, würden dann eingespart. Eine Lösung wären alternative Sendeplätze – wohl eher Wunsch als Wirklichkeit. Unter den sechs Hörfunk-Wellen müssen außer dem hr3 und die Jugendwelle YouFM Kürzungen verkraften.
Den Redakteuren bleibt nur noch eine vage Hoffnung: Sie fordern die Geschäftsleitung auf, die geplanten Einsparungen noch einmal zu überdenken. Verwaltungs- und Rundfunkrat müssten den Entscheidungen noch zustimmen, teilte der HR mit. Am 8. Mai will der Rundfunkrat erneut zusammen kommen.


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