STUDENT 1 (Jeremy Cohn): Angesichts der Tatsache, dass in Abu Ghraib und Guantánamo Gefangene gefoltert und ohne Gerichtsverhandlung auf unbestimmte Zeit festgehalten wurden - wie können wir uns in Amerika da noch weiter als die Wegbereiter der Demokratie aufspielen, und schaden solche Aktionen nicht unserem Ansehen in der Welt?
CONDOLEEZZA RICE: Zunächst mal muss man das Richtige tun. Das Wichtigste ist, dass man sich ein Urteil darüber bildet, was das Richtige ist. Das ist sehr wichtig - dass man entscheidet, was richtig ist. Was die sogenannten "optimierten Verhörmethoden" und die außerordentliche Auslieferung im Zusammenhang mit den Gefangenen angeht, da müssen wir sagen, dass Abu Ghuraib so nicht geplant war; Abu Ghuraib war ein Fehler, und das bestreitet auch niemand.
Aber inzwischen sind neue Berichte erschienen, die genau das bestreiten.
Die Studenten
Lesen Sie ein Interview mit Jeremy Cohn und Sammy Abusrur, das die US-Zeitschrift Harper's Magazine führte.
Fotostrecke:
Was die US- Folter-Memos bemänteln
Ich weiß, dass jetzt viele Leute unsere Entscheidungen von damals in Frage stellen, aber glauben Sie mir, dass mir das lieber ist, als wenn man uns jetzt dafür kritisieren müsste, dass weitere 3000 Amerikaner gestorben sind, weil wir nicht alles in unserer Macht Stehende getan haben. Wenn man damals in einer Position mit Entscheidungsgewalt war und zusehen musste, wie amerikanische Bürger aus dem 80. Stock sprangen, weil diese skrupellosen Mörder auf unschuldige Menschen losgingen, dann war man fest entschlossen, alle Mittel - sofern legal - auszuschöpfen, um zu verhindern, dass so etwas nochmal passiert.
Ich glaube, dass die Leute das verstehen. Wenn wir jetzt von Saudi Arabien, Kuwait und so weiter sprechen, dann bin ich mit Ihnen einer Meinung. Wir haben versucht, auf die Probleme hinzuweisen - den Menschenhandel, Menschenrechtsverletzungen usw. - die in Saudi Arabien, in Kuwait, in Oman und in anderen Ländern herrschen. Aber in der Außenpolitik kann man es sich leider nicht leisten, mit einem Land nicht zu verhandeln, weil einem dessen Menschenrechtspolitik nicht gefällt - diesen Luxus hat man nicht.
Wenn man also auf die Mitarbeit von Saudi Arabien angewiesen ist, um Al Kaida, die übrigens dort entstand, von innen heraus zu bekämpfen, oder wenn man Saudi Arabien braucht, um die Bildung eines palästinensischen Staates voranzutreiben, dann kann man Saudi Arabien nicht außen vor lassen, weil dort Menschenrechtsverletzungen stattfinden. Oder wenn man die Golfregion vor dem Iran schützen will - hier haben wir übrigens wirkliche Menschenrechtsprobleme: im Iran.
Das weiß ich.
In der Außenpolitik muss man eine Menge schwere Entscheidungen treffen. Die Welt stellt uns vor schwere Probleme, und manchmal muss man Entscheidungen treffen, die uns nicht leicht fallen.
Das ist mir klar. Aber selbst während des Zweiten Weltkrieges im Kampf gegen Nazideutschland, was wahrscheinlich die größte Bedrohung war, der sich Amerika je gegenüber gesehen hat, selbst dann...
Bei allem Respekt, aber Nazideutschland hat die USA niemals direkt angegriffen.
Nein, aber sie haben unsere Verbündeten bombardiert.
Moment, bitte! 3000 Amerikaner starben bei den Angriffen auf das World Trade Center und das Pentagon.
500.000 starben im Zweiten Weltkrieg, und trotzdem haben wir damals keine Kriegsgefangenen gefoltert!
Und wir haben diesmal auch niemanden gefoltert.
In Guantánamo wurde aber gefoltert.
Nein. Nein, mein Lieber. Das stimmt nicht. Wir haben niemanden gefoltert. Übrigens wurde Gunatanamo von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa als ein vorbildliches Gefängnis der mittleren Sicherheitsstufe bewertet. Haben Sie das gewusst?
Waren Vertreter der Organisation bei den Verhören anwesend?
Wussten Sie, dass - beantworten Sie einfach meine Frage - dass die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa Guantánamo für ein vorbildliches Gefängnis der mittleren Sicherheitsstufe halten?
Nein, aber ich glaube nicht, dass das relevant ist.
Ja, aber wussten Sie das?
Nein, das wusste ich nicht, aber ich halte das für völlig irrelevant.
Aha, aber wenn Sie das nicht wussten, dann sollten Sie sich vielleicht vorher informieren, bevor Sie Anschuldigungen über Guántanamo vorbringen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat sich ebenfalls in Guántanamo umgesehen, und auch von dieser Seite wurden keinerlei Anschuldigungen die Verhöre betreffend gegen Guantánamo vorgebracht. Man monierte hier nur das Festhalten von Gefangenen auf unbestimmte Zeit, ohne einem Richter vorgeführt zu werden. Deswegen haben wir versucht, die Leute vor Militärgerichte zu stellen, aber das wurde verhindert, und wissen Sie, von wem? Wer hat uns daran gehindert, die Gerichtsverhandlungen abzuhalten?


Artikel kommentieren
Bookmark
Verlinken














