stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Kultur & Medien
11. März 2010
Anzeigenmarkt | Zeitungsanzeige aufgeben | Abo-Angebote

In- & Ausland
Frankfurt & Hessen
Marktplatz
Verlagsservice
ANZEIGE
Die FR auch bei
Feuilleton

Apartheid in Israel

Judentum und Rassismus

Avirama Golan

Seit Jahren schon wird von der Linken immer wieder der schwer zu akzeptierende Vergleich zwischen Israel und Südafrika gezogen, der uns besonders bei dem Wort Apartheid übertrieben und sogar gefährlich erschien, wenn es um einen so komplexen Sachverhalt ging. Aber seit einiger Zeit ist es unmöglich geworden, die Augen weiterhin zu verschließen. Israel versucht bald gar nicht mehr, sich den Anschein eines humanitären Bewusstseins zu geben, und verschließt sich nicht nur gegenüber den Palästinensern, sondern schlicht und einfach gegenüber allen Nichtjuden.

Ein offensichtliches Beispiel für diese Entwicklung sind die Pläne, die von einer Kommission des Innenministeriums unter der Leitung von Yaakov Ganot vorgelegt wurden. Das Innenministerium untersteht einem Minister, der nicht einmal mehr versucht, den Eindruck zu erwecken, er halte sich noch mit humanitären Überlegungen auf; dafür versteht er sich aber als Bewahrer des Judentums. Allerdings handelt es sich hier um ein ganz spezielle Form des Judentums: ultraorthodox, separatistisch und isoliert eine Form, mit der die meisten Juden in der Welt nichts anfangen können, der sich aber die Regierungen Israels nach und nach verschrieben haben.

Jetzt verkündet Ganot, dass eine neu gebildete Einsatztruppe bald mit der Verhaftung und Abschiebung von Familien mit Kindern beginnen werde. "Die Eltern genießen durch ihre Kinder nicht automatisch Schutz", sagte er letzten Monat gegenüber der Journalistin Nurit Wurgaft von der Haaretz. Damit wird eine Entscheidung zweier früherer Ministerpräsidenten, Avraham Poraz und Ophir Pines-Paz, außer Kraft gesetzt, die versprochen hatten, Familien die Staatsbürgerschaft zu gewähren, deren Kinder in Israel geboren und aufgewachsen und in jeder Beziehung Israelis sind. (Und die auch nirgendwo hin "zurückkehren" können, weswegen diese Entscheidung sie jetzt zu ewigen Migranten macht.)

Zur Autorin


Avirama Golan ist Mitherausgeberin und Kommentatorin der israelischen Tageszeitung Haaretz.

Ganot wird Wort halten; er ist begabt und fleißig. Und wenn es auch nicht seine Idee war, ist er doch sehr eifrig darum bemüht, sie umzusetzen. Das Interesse der orthodoxen Schas-Partei an der Frage der ausländischen Arbeiter hat noch einen ganz anderen Hintergrund, als der Plan von Ganot vermuten lässt. Natürlich wäre es möglich, so wie die Regierung zu argumentieren und zu sagen, dass Israel ausländische Arbeiter ausweist, um Arbeitsplätze für Israelis zu sichern. Aber wenn dem so ist, warum toleriert die Regierung dann jedes Jahr die Einreise von mehr als 20.000 ausländischen Landwirtschaftsarbeitern?

Es steckt Kalkül dahinter; die Arbeitsplatzsicherung ist nur ein Vorwand. Zu Beginn der Koalitionsverhandlungen versprach Ministerpräsident Netanjahu dem Landwirtschaftsminister Shalom Simhon, dass die Landwirtschaftslobby unangetastet bleiben werde, was zeigt, dass es sich um ein abgekartetes Spiel handelt, bei dem die wichtigste Regel lautet: Die Regierung braucht Heere von Arbeitern, die kommen, arbeiten und wieder gehen, aber sie wird diejenigen brutal verfolgen, die eine Bedrohung darstellen für die Bevölkerungsgruppen mit einer starken Lobby. Einige wird man vom Zentrum des Landes in die Außenbezirke schicken, aber die meisten werden verhaftet und dann ausgewiesen werden.

Und hierin liegt das Interesse der Schas-Partei. Die Filipinas, die unsere Alten pflegen, die Chinesen, die unsere Luxus-Hochhäuser bauen, und die Thais, die unser Obst und Gemüse für den Export anbauen, sie alle nehmen die Plätze von arabischen Bürgern ein. Diese israelische Bevölkerungsgruppe hat keine Fürsprecher und niemand interessiert sich für ihre Arbeitslosigkeit. Im Gegensatz dazu ersetzen die Afrikaner, Südamerikaner, Ukrainer und all die anderen, die putzen gehen und ähnlich niedere Arbeiten verrichten, eine weitere Bevölkerungsgruppe, nämlich die jüdische Unterschicht.

Diese Gruppe besteht zum einen aus armen und ungebildeten Frauen, für die Putzarbeiten und Ähnliches die einzigen zugänglichen Jobs sind, und zum anderen aus armen und ungebildeten Männern, die sich ihren Lebensunterhalt verdienen mit Maler- und Bauarbeiten, kleinen Reparaturen, Hausreinigungen usw. Israelische Hausbesitzer bevorzugen die billigen und gehorsamen Ausländer, die willens sind, jede Art von Arbeit ohne Sozialleistungen zu machen, und betrachten israelische Arbeiter als "verwöhnt".

Aber diese Israelis stellen, obwohl sie keinerlei Macht haben, eine für die Schas-Partei interessante Wählergruppe dar, haben also faktisch eine starke Lobby hinter sich. Und diese Lobby instrumentalisiert die Gesetze des orthodoxen Judentums, um Ausländer draußen zu halten besonders jene Familien, die einwandern wollen.

Der absurde Umstand, dass Israel einige Ausländer verfolgt und gleichzeitig andere "legal" ins Land holt, hat wirtschaftliche Gründe, die aber völlig pervers sind. Der Vorwand, der diesen Gründen vorgeschoben ist, kommt als Ethnozentrismus und Rassismus daher, was natürlich noch peinlicher ist als die Peinlichkeit, die versteckt werden soll.

In Israel werden, genau wie anderswo, die Ausländer schlecht behandelt. Aber in Israel wird im Unterschied zu den meisten anderen Ländern die schlechte Behandlung durch die eigene ethnische und religiöse Identität motiviert.

Pfeil-SymbolArtikel kommentieren (5 Kommentare)



Empfehlen via:    Twitter    Facebook    StudiVZ    MySpace
[ document info ]
Copyright © FR-online.de 2010
Dokument erstellt am 09.07.2009 um 16:08:03 Uhr
Letzte Änderung am 09.07.2009 um 17:58:03 Uhr
Erscheinungsdatum 09.07.2009 | Ausgabe: d
Kommentare
1. Juden sind eben auch nur Menschen
die meisten wissen das auch. Sie sind in keiner Sache besser oder moralischer als andere Völker. Nur gejagter, für Eigenschaften, die sie mit dem Rest der mindestens westlcihen Welt teilen.



Pfeil-SymbolVerstoß melden

2. Israels Rassismus
Israel genoss jahrzehntelang eine Art Immunität gegen Kritik aus Deutschland.Menschenrechtsverstöße der Israelis wurden unter den Teppich gekehrt. Man nimmt sich in Israel das Recht heraus, jeden zu verfolgen oder zu töten wenn es aus "Sicherheitsgründen" erforderlich ist.Die vorsorgliche Tötung von Palästinensern, die nach Angaben der Israelis Anschläge planen oder im Verdacht dazu stehen, wird durchgeführt ohne, dass die zivilisierte Welt aufschreit.Wegen seiner zahlreichen Kriegsverbrechen im Gaza Krieg wurde Israel halbherzig kritisiert. Jetzt hat Israel eine nationalistisch/ rassistische Regierung(Liberman). Es wird Zeit, dass sich der Zentralrat der Juden mal öffentlich zu Wort meldet und die Menschenrechtsverstöße genau so massiv anprangert wie er das in Deutschland ständig tut



Pfeil-SymbolVerstoß melden

3. Exodus, wann war das ?
Moses drehte sich im Grabe herum, wenn er davon wüsste !
Für mich ein weiteres Beispiel, wie man Religion aushöhlt und dazu benutzt, um eine für das 21. Jhr. nicht ethische Politik durch zu führen.

@SteinerII: Wenn der Zentralrat d. J. noch nicht mal die "jüdischen Vermächtnisse" der Hessen-CDU ankreiden konnte damals, dann schaffen die auch keine Israelpolitik-Kritik aufzubringen.



Pfeil-SymbolVerstoß melden

4. Typisch Doppelstandards
Wenn in Saudi-Arabien oder den Golfstaaten ausländische Arbeiter wie Sklaven gehalten werden, unter Umständen leben müssen, die jeder Beschreibung spotten und jederzeit abgeschoben werden können (ev. Staatsbürgerschaft ist dort überhaupt kein Thema), dann ist das selbstverständlich weder rassistisch und/oder religiös begründet, noch gibt es auch nur die geringsten Übereinstimmungen mit dem ehemaligen Regime in Südafrika. Klar denn schliesschlich sind keine Juden beteiligt und die Angehörigen der "Religion des Friedens" sind ja, quasi vorrauseilend, generell von jeder Schandtat freizusprechen. Deshalb fühlt sich der deutsche Michel auch nur im Falle von Israels angeblichen oder tasächlichen "Schandtaten" bemüßigt, seinen "antzionistischen" Senf abzusondern.



Pfeil-SymbolVerstoß melden

5. ich hoffe der BND steht nicht bald vor meiner Tür, aber
ich habe es mit eigenen Augen gesehen, in Israel haben Anders denkende und Anders gläubige Menschen keine Menschenrechte. Es werden Kinder vom Staat entführt und in den israelischen Guantanamos (fohlter Gefängnisse) vergewaltigt, willenlos mit Drogen gemacht um für die IDF ihre Verwandten und Freunde zu verraten. Was man auch nicht vergessen sollte, die Häuser (palästinensische) werden von Israelis seit mehr als 61Jahren abgerissen ohne jemals eine Entschädigung oder eine Ersatzwohnung anzubieten. Die Siedler (Raubmörder, beschreibt diese Siedler ehr) bekommen überall Wasser und die Palästinenser müssen wo anders hin, weil Sie ihre alten (meisten mehrer Jahrhunderte alte) Brunnen nicht benutzen dürfen? Hebron, "Siedler" erschießen palästinische Kinder vor den Augen und mit Hilfe der IDF!



Pfeil-SymbolVerstoß melden




FR-online.de interaktiv
Literatur.Magazin
Literatur.Magazin

Die Kunst des Vorlesens, Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt und der Vormarsch der E-Books

Pfeil-SymbolLiteratur.Magazin
Zur TV-Kritik

Gestern ferngesehen? Diskutieren Sie mit!

Becks Globalrundschau
Becks Globalrundschau

Ulrich Beck schreibt jeden Monat darüber, was ihm auffiel in den Medien und in der Wirklichkeit an Zahlen und Ideen.

Pfeil-Symbol Becks Globalrundschau
Lesestoff
Lesestoff

Pfeil-SymbolLiteratur-Rundschau: Mehrmals im Jahr und immer zur Buchmesse in Frankfurt und Leipzig.

Die Bestseller:
Pfeil-SymbolBelletristik Top Ten
Pfeil-SymbolSachbuch Top Ten
Kinoprogramm
Kino-Programm

Die Filmwoche: Alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

Pfeil-SymbolZum Kinoprogramm
FR Weinbar
Zum FR-Weinshop

In der FR Weinbar finden Sie eine exzellente Auswahl von über tausend Weinen, die von erfahrenen Sommeliers für Sie ausgesucht und verkostet wurden.

FR WeinbarZur FR Weinbar
Sudoku online
Sudoku online

Das Zahlenspiel, das süchtig macht!

Pfeil-SymbolHier online spielen
Der Freizeit-Planer
Terminkalender

Kino, Kunst, Konzert, Theater, Ausgehen: Nichts mehr verpassen in Frankfurt und der Region - mit dem

Pfeil-SymbolTerminkalender




Copyright © 2010 Frankfurter Rundschau
Startseite | Anzeigenmarkt | Hilfe | Politik | Wirtschaft | Frankfurt | Hessen
Sport | Fotostrecken | Kultur | Medien | Blogs | Auto
Reise | Videos | Spiele | Stellenmarkt | Kfz-Markt | Immobilien
Datenschutzerklärung | Abo-Service | Mediadaten | Kontakt | Impressum | Sitemap
realisiert von evolver media®