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Farbe

Von Judith von Sternburg

Ein schwarz angemaltes Model auf einem Modefoto in der französischen Vogue vom Oktober bringt dieser Tage Internet-Blogger und Antidiskriminierungs-Aktivisten auf. Vor allem in den USA und in Großbritannien gelten schwarz angemalte Weiße seit Jahrzehnten als Provokation. Zu gut erinnert man sich an die Zeit, als weiße Unterhaltungskünstler sich als Schwarze verkleideten, um diese umso besser karikieren und verhöhnen zu können. Dazu gehörten in Amerika die so genannten Minstrel-Shows, in denen weiße Musiker mit schwarzer Bemalung auftraten (gelegentlich auch schwarze Musiker mit schwarzer Bemalung).

Ein Echo der Empörung darüber konnte man vor ein paar Jahren in London erleben: Eine hellhäutige Sängerin war in Covent Garden als Ulrica, die Wahrsagerin aus Verdis "Maskenball", schwarz geschminkt. Das führte zu einem derartigen Skandal, dass das Royal Opera House bei der Wiederaufnahme die Schminke untersagte. Der italienische Regisseur konnte das überhaupt nicht verstehen. All die schwarz angemalten italienischen und deutschen Otellos, die unser Leben durchziehen, zeigen, dass er damit nicht alleine ist. Deren Anblick ist so vertraut, dass es geradezu einen eigenen Menschenschlag von schwerfälligen, schwitzenden, in exotische Kostümierung gepressten und zu allem Überfluss auch noch schwarz angemalten Tenören gibt. Ihre Zahl nimmt allerdings ab.

In den Internet-Kommentaren gibt es auch Gegenmeinungen. Einer weist darauf hin, dass sich Schwarze schließlich die Haut bleichen lassen. Ein anderer, dass sich Leute heutzutage wirklich über alles aufregen.

Menschen, die selten in wichtige Modezeitschriften schauen, gibt die Geschichte jedoch Anlass, sich wenigstens einmal die Bilder anzugucken. Auf der einen Seite sieht man das weißgekalkte Model, die Niederländerin Lara Stone, auf schwarzem Grund. Auf der anderen sieht man dasselbe Model in Schwarz vor weißem Grund. Der Arbeitsauftrag an sie lautet offenbar, möglichst töricht und zum Anfassen auszusehen, was ihr trefflich gelingt. Sich darüber aufzuregen, ist allerdings völlig aus der Mode geraten.


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Dokument erstellt am 18.10.2009 um 16:38:02 Uhr
Letzte Änderung am 18.10.2009 um 18:01:34 Uhr
Erscheinungsdatum 19.10.2009 | Ausgabe: fr
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