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Daniel Cohn-Bendit und Dani Levy

Warum Deutschland?

Von Arno Widmann

In Zukunft soll immer mal wieder im Schauspiel Frankfurt sonntags um 12 eine Matinée stattfinden, zu der Daniel Cohn-Bendit einlädt. Wenn es jedes Mal so gut wird wie diesmal, dann wird der Sonntagsbraten auf 14 Uhr verlegt werden müssen.

Der Filmemacher Dani Levy war Cohn-Bendits Gast. Cohn-Bendit ließ kein Thema aus, und Levy gab heiter und ernst Auskunft. Die Frage "Warum Deutschland?" kam - wie es sich gehört - gleich zwei Mal. Warum haben die Deutschen - so die vorsichtige Formulierung des aus Basel stammenden und seit mehr als dreißig Jahren in Berlin lebenden Dani Levy - Hitler aktiv unterstützt?

Dieser Frage geht Levys Film "Mein Führer" nach. Man darf, so Levy, neben den politischen, wirtschaftlichen Gesichtspunkten die fatalen Folgen einer auf Gewalt und Einschüchterung beruhenden, einer abrichtenden, einer schwarzen Pädagogik nicht übersehen.

"Warum Deutschland?" ist aber auch die Frage danach, warum ein Jude nach Deutschland geht, um dort zu leben. Cohn-Bendit erzählte, er habe geweint als er als Dreizehnjähriger nach Deutschland musste. Er war durch die Straßen gegangen und hatte mit seinem Bruder auf jeden Passanten geschaut, ob der damals dabei war oder ob er noch zu jung war dafür.

Levy dagegen, dessen Mutter 1938 aus Berlin Moabit nach Basel geflohen war, stellte sich als er Ende der siebziger Jahre nach Berlin ging, keinen Augenblick diese Frage. Für ihn - einen 22-jährigen Schauspieler - gab es ein Traumtheater auf der Welt: Das Theater Rote Grütze in Berlin Wilmersdorf. Da herrschte Freiheit und Anarchie, da war Zirkus. Da wollte er hin.

Von nun an hatte er nur noch nicht-jüdische Freundinnen. Sein Judentum war kein Thema mehr für ihn. Bis er Maria Schrader traf und liebte. Eine Deutsche, der die deutsche Geschichte präsent war, die genauer wissen wollte "Warum Deutschland?". Sie beschäftigten sich beide immer wieder damit, und zehn Jahre später hatte er "Meschugge" gemacht und von nun an verließ das Thema ihn nie wieder.

Mal mit unerwartet riesigem Erfolg - "Alles mit Zucker!" - bei einem Publikum "wie diesem hier". Er breitete den rechten Arm weit aus, um uns ja alle hier im Frankfurter Schauspielhaus mit einzuschließen. Dann wieder wurde er von Feuilletonisten zerfleddert. Wie bei "Mein Führer" mit Helge Schneider als Adolf Hitler. Der brachte dann doch immerhin eine Million - ganz anderer - Menschen in die Kinos.

In Deutschland lacht man oder man weint. Beides gleichzeitig - da hat man Schwierigkeiten. Levy aber liebt das Leben, also liebt die Tragigroteske, den Mischmasch, den Bastard.

"Würdest Du ,Die Stadt, der Müll und der Tod für das Schauspiel Frankfurt inszenieren?" fragt Cohn-Bendit. "Ich kenne das Stück nicht", antwortet Levy "aber Fassbinder war sicher kein Antisemit. Ich finde auch, wir dürfen den Antisemitismus nicht weiträumig umschiffen. Man muss mit ihm umgehen. Ich finde es sogar gut, wenn er ab und zu herausgekitzelt wird. So lernen wir die Wirklichkeit kennen."

Dann war noch die Rede von Israel, das Levy kein sicherer Hafen ist, vom jüdischen Witz, den es in Deutschland wieder zu geben beginnt, von seinem gerade abgedrehten Film "Das Leben dauert zu lang", mit dem er sich gegen alles wendet, das seiner Umgebung heilig ist. "Ich werde viel Ärger damit haben."


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Dokument erstellt am 08.11.2009 um 18:12:05 Uhr
Letzte Änderung am 08.11.2009 um 18:31:00 Uhr
Erscheinungsdatum 09.11.2009 | Ausgabe: r
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