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Internationales Filmfest Braunschweig

Schygullas Regiedebüt entführt ins Private

Braunschweig. Nach mehr als 80 Filmen vor der Kamera hat Hanna Schygulla die Seiten gewechselt und ihr Regiedebüt gegeben.

Ihr Erstling als Regisseurin ist zwar kein cineastisches Meisterwerk geworden, dafür aber zaubert das liebevolle Porträt einer kubanischen Schauspielerin eine außergewöhnlich persönliche Atmosphäre in den Kinosaal. Beim 23. Internationalen Filmfest Braunschweig wurde Schygullas Debüt "Alicia Bustamante" am Samstag erstmals gezeigt.

Und fast ist es so, als ob die Zuschauer das gemeinsame Leben der deutschen und der kubanischen Schauspielerinnen in Paris und Havanna teilen. "Ich beurteile nichts", sagte Schygulla über ihren Film. "Ich habe den Vorteil, dass wir das selbe Haus bewohnen. Immer wenn sich etwas ergeben hat, konnte ich filmen."

Der Wechsel hinter die Kamera hatte für sie durchaus Tücken: "Es war ein Hindernislauf mit der Technik", berichtet die 65-Jährige, die Regie, Kamera und Ton verantwortet, nur beim Schnitt habe ihr Freund Jose Huerta geholfen. Einige Szenen sind denn auch recht unscharf, andere etwas dunkel. Ob Makel oder Stillmittel bleibt offen. "Nicht der Perfektionismus, sondern das Leben ist wichtig", erinnert sie am Anfang des Films.

Schygulla - in den 70er durch die Filme von Rainer Werner Fassbinder bekanntgeworden - hatte vor zwei Jahren in Braunschweig den mit 10 000 Euro dotierten Darstellerpreis "Die Europa" gewonnen. Damals kündigte sie an, das Preisgeld in eine Kamera investieren zu wollen. Nach zwei Jahren kehrte sie nun zurück, um ihr Regiedebüt vorzuführen. Mit dabei war auch Alicia Bustamante, die Hauptfigur des Films, die in ihrer Heimat Kuba als lebende Legende gilt. In zahlreichen Theaterstücken, Kinofilmen, TV-Produktionen und Radiosendungen hat die heute 78 Jahre alte Kubanerin mitgespielt oder Regie geführt.

Die beiden Frauen hatten sich 1991 bei den Dreharbeiten zu einer kubanischen Telenovela kennengelernt. Seitdem sind sie eng befreundet. "Wir durchwandern das Leben Hand in Hand", sagt die 65-jährige Schygulla. "Ich wollte etwas von dem Zauber säen, den ich mit ihr erlebe." Mit großer Lebensfreude und viel Humor zeigt sich Alicia Bustamante 105 Minuten mal als Clown, mal als resolute Hausfrau, als nachdenkliche Freundin oder auch als weise Ratgeberin.    

Mit einem Lampenschirm wird Bustamante mal eben zur Chinesin, mit einem Schneebesen in der Hand zur Dirigentin, mit ernstem Gesicht erinnert sie sich an eine gestorbene Freundin, mit strahlendem Lachen empfängt sie alte Freunde oder rezitiert kubanische Literatur. Dazwischen werden - teils in schlechter Qualität - Ausschnitte aus ihren alten Filmen und Theaterstücken gezeigt.       

"Ich hatte kein Konzept", gibt Schygulla unumwunden zu. Und so ist der Film durchaus kurzweilig, hat aber auch Längen. Die Regisseurin selbst ist nach der Aufführung etwas unsicher, ob das deutsche Publikum die richtige Zielgruppe sei. Viele vorkommende kubanische Künstler seien hier schließlich gar nicht bekannt. "Ich habe den Film eher für Kuba gedreht", sagt sie. Das Filmfest Braunschweig wollte das Debüt dennoch gern zeigen und ließ ihn eigens für die Premiere untertiteln. Die Festivalbesucher honorierten den Film denn auch mit begeistertem Applaus. Und als die beiden Frauen im Anschluss noch von den Dreharbeiten berichteten, war ihre Lebensfreude und Herzlichkeit auch live zu spüren.              (dpa)


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Dokument erstellt am 15.11.2009 um 12:42:41 Uhr
Letzte Änderung am 16.11.2009 um 12:55:15 Uhr
Erscheinungsdatum 15.11.2009
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