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Obama-Musical "Hope"

Grenze des Frohsinns

Von Judith von Sternburg

Das Angebot, das hinter dem Wort "interaktiv" steckt, ist wie immer letztlich ernüchternd. Dass "Hope" das "Interaktiv-Musical einer neuen Generation" ist, heißt Folgendes: Das Parkett der Frankfurter Jahrhunderthalle wurde für die Deutschland-Premiere mit weißen Spezialstühlen aus Plastik ausgestattet. Schlägt man auf die geschlossene Vorderseite, entsteht mittels darin montierter, offenbar nur durch winzige Abstände voneinander getrennter Platten ein schnarrendes Geräusch. Für die hinteren Reihen wurden kleine Rasseln ausgeteilt.

"Interaktiv" bedeutet nun, dass die Zuschauer während des Musicals trommeln und rasseln dürfen, bitte aber nur dann, wenn die "Profis" sie dazu auffordern. Die Profis sind eine Art Flugbegleitercombo, die ab und zu auftaucht und zeigt, was zu tun ist (zu trommeln und zu rasseln nämlich). Diese Einschränkung ist eine Art Musikunterrichtselement, das mit Fortschreiten des dreieinhalbstündigen Geschehens aber zunehmend unterlaufen wird. Denn Spaß macht es schon, auf einer Trommel zu sitzen. Im Foyer sind auch pastellfarbene Kindermodelle im Angebot.

"Hope" handelt vom vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf, von dem Aufstieg Barack Obamas, aber mehr noch von der "Yes, we can"-, "Change"- und eben "Hope"-Bewegung in der Bevölkerung, die seinerzeit zur höchsten Wahlbeteiligung seit hundert Jahren führte. Das ist gewiss eine Musical-geeignete Situation, auch wenn die Realität das Musical-Glück seit genau einem Jahr eingeholt hat. Und auch wenn das Musical-Glück nur ein Abglanz damaliger Hoffnungen ist, obwohl sich die Darsteller wacker bemühen, Stunde um Stunde so aufgeregt, hoffnungsvoll und glücklich zu sein, wie nur irgend möglich.

Der Nachgeschmack ist also zwangsläufig schal, aber die Stimmung gut. Noch lieber als trommeln wollen die Menschen von den weißen Spezialsitzen aufspringen vor Begeisterung. Am besten funktionierte das bei dem Song "I’ve got a Feeling". Der Aufbau entspricht einem pädagogisch einigermaßen ehrgeizigen Schulbuch für den Gemeinschaftskunde-Unterricht.

Ein fröhlicher Deutscher namens Michael übersetzt, erläutert und ist immer tüchtig gespannt darauf, wie es weitergehen wird. Eine Hausgemeinschaft in Chicago repräsentiert die Sorgen und Nöte des durchschnittlichen amerikanischen Volkes, wobei das groteskerweise zunächst zu einem längeren Song über die Annehmlichkeiten eines Wellness-Tages führt. Ansonsten aber geraten die Bewohner in die Arbeitsmarkt- und Finanzkrise. Die Söhne sind im Irak, einer wird als verschollen gemeldet. Rassismus ist vorhanden, wird aber im Laufe des Abends überwunden.

Barack Obama – in einen hübschen Musicalhelden verwandelt – ist als sozial engagierter Sympath zu sehen, aber auch im Liebesduett mit Michelle, welche wiederum nachdenklich erst den Scheinwerfer, dann ihre Mutter ansingt: Wird sie als First Lady bestehen können? Wird sie schon, singt die vernünftige Mutter.

Auch wenn der Produzent und Regisseur der Unternehmung, Roberto Emmanuele, vorher immer wieder darauf hinwies, dass das alles nicht politisch, sondern rein menschlich zu verstehen sei, kann sich Barack Obama zu diesem Stück nur beglückwünschen. Selbst die nahestehendste Gegnerin, Hillary Clinton, ist eine Karikatur ihrer selbst und singt ein Lied, aus dem hervorgeht, dass sie keinen Plan hat und dass sie das nicht stört.

Die Grenze des Frohsinns wird deutlich, als einer der Söhne – just nach Obamas Wahlsieg aus dem Irak zurückgekehrt, als wende sich sofort alles zum Guten – beiseite sagte, er denke, nun werde der Krieg bald vorbei sein. Der optimistische Übersetzer erwähnt das nicht, was sollte er dazu auch sagen. Das Publikum tut nichts lieber als sich mitreißen zu lassen

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Copyright © FR-online.de 2010
Dokument erstellt am 18.01.2010 um 12:00:25 Uhr
Letzte Änderung am 18.01.2010 um 13:03:54 Uhr
Erscheinungsdatum 18.01.2010
Kommentare
1. Artikel wenig hilfreich !! hatte Frau Judith von Sternburg schlechte Laune oder musste Sie dort Ihre Zeit absitzen ??
Mein Frage nach dem Lesen des Artikels "Hatte die Autorin schlechte Laune oder musste Sie bei dem Musical Ihre Zeit absitzen" ?

Auch wir waren gestern bei dem Musical "Hope" und hatten einen kurzweiligen Abend mit abwechselungsreichen Elementen ... das Stück war spannend, interessant und mitreisend.

Immerhin war es ein Musical, warum sagt Artikel nichts zu den gesanglichen Leistungen... wirklich gute Sänger, mit starkem Ausdruck ... und den vielen tänzerischen Elementen ... erinnerte an JazzDance, Ballett, Capoeira, teils Akrobatik pur ... und die Leistungen der Schauspieler ... alle Elemente verdienten ihren spontanen Zwischenapplaus zu Recht!

Leider empfinden wir Ihren Artikel als recht zynisch. Dieser vernachlässigt die wesentlichen und mitreisenden Elemente des Abends.



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2. PS - hatte die Autorin schlecht Laune >> wenig hilfreicher ARtikel
In einem drittel Ihres Artikel versuchen Sie sich an einer mäßigen Beschreibung der "Spezialstühle" ..... statt auf die Leistung der Künstler einzugehen ....

zu Ihrer Information, diese "Spezialstühle" , wie Sie diese nennen, sind einem Cajon nachempfunden bzw. sind wohl ein Cajon .... dies ist zu Ihrer Information ein gängiges Musikinstrument mit einem trommelähnlichen Klang (Herkunft u.a. Kuba .. sieh auch Wikipedia) .... also die Zuschauer durften !! trommeln

... Interaktiv = trommeln dürfen = das ist doch mal was !

Fazit zu diesem Artikel >> leider wenig hilfreich

Unser Fazit >> interessante Geschichte, wirklich gute Sänger, akrobatische Tänzer, gute Schauspieler .... >>> Wie bereits erwähnt ... wir hatten einen schönen Abend! >> ganz klar sehenswert



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3. Wäre ich hier der Regisseur...
würde sich Obama im großen Finale des Bühnenstücks urplötzlich in George Bush verwandeln!



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4. Artikel trifft den Nagel auf den Kopf
Neugierig auf das interaktive Musical war auch ich gestern bei der Premiere. Leider wurden meine Erwartungen nicht erfuellt. Gut, man durfte tatsaechlich mal nach drei Lieder auf den Hocker herumtrommeln, aber meistens erst, wenn das Lied schon so gut wie vorbei war. Auch einige Lieder waren etwas merkwuerdig platziert - ich habe mich schon gefragt, warum Menschen einer WG, die kaum Geld fuer den Lebensunterhalt haben, erstmal alle ins Spa gehen? Was hat das denn mit der Story zu tun?
Die gesangliche Leistung, auch Tanz und Musik war gut. Leider nur etwas sehr lang. Nach vier Stunden im Theater war ich echt geschafft.



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5. Die Autorin hatte schlechte Laune
Wir waren gestern auch da und es war SUPER!!!!!! Die show war zwar ein wenig lang aber es trotzdem SUPER!!! Die Show kann mann weiter empfehlen!!!!

Im a pitbull and i bite :)

Mein Fazit >> interessante Geschichte, wirklich SuperSänger, akrobatische Tänzer, gute Schauspieler .... >>> Wie bereits erwähnt ... wir hatten einen schönen Abend! >> ganz klar sehenswert!!!!!!!



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