Von Anfang an müssen Schönheit und Anmut der Jean Simmons nicht gerade alltäglich gewirkt haben. David Lean besetzte die 16-Jährige 1946 in "Great Expectations". Wenn dies heute vielen als die beste Dickens-Verfilmung gilt, so liegt das nicht zuletzt an ihr: Von ihrem ersten Auftritt an macht Jean Simmons verständlich, warum sich Waise Pip in sie verlieben muss, sie verkörperte in ihrer natürlichen Kultiviertheit eine andere Welt. Ihr Landsmann Laurence Olivier adelte dieses Talent, als er Simmons kurz darauf als Ophelia für seinen Hamlet nach Hollywood holte. Strahlender und würdiger konnte eine junge Schauspielerin nicht debütieren.
Bald sah man Simmons in einigen der schönsten und prestigeträchtigsten Filmen, unvergesslich ist "Die schwarze Narzisse": In der Unwirklichkeit eines Bergklosters ist Simmons´ Schönheit das lebendige Zentrum einer artifiziellen Kunstschöpfung.
Als sie 1951 Stewart Granger heiratete, muss das wie eine Märchenhochzeit gewirkt haben. Von Multimillionär Howard Hughes fühlte sie sich indes bald verraten: Ohne ihr Wissen hatte er ihren Filmvertrag erworben, um sie in Rollen zu besetzen, die ihr unwürdig schienen. In einem Prozess erstritt sie sich nicht nur eine Entschädigung, sondern auch große Freiheiten für ihre Arbeit. Premingers "Angel Face" aber hat die Zeit überdauert, gerade weil er so wenig zu Simmons´ Leinwandimage passt: In diesem film noir ist sie die archetypische femme fatale.
In den 50ern sah man sie oft in Monumentalfilmen wie "Sinuhe der Ägypter" oder "Spartacus". Da stach sie heraus aus dem formelhaft Altertümelnden, war ihre Anmut die menschlichste Form der Klassizität. Viel davon bewahrte sich die Schauspielerin bis ins hohe Alter, als sie zahllosen Fernsehserien ("Die Dornenvögel") Hollywood-Glanz bescherte. Am Freitag starb sie an Lungenkrebs.


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